Singen. "Akribie am Arbeitsplatz. Akkuratesse im Umgang mit unseren Besuchern. Und Liebe zum Detail. Am Empfangstresen. Im Vertrieb. In der Werkstatt." Auf die Frage nach den Erfolgsrezepten des Auto Salon Singen antwortet Fridolin Koltes im Stakkato-Stil.
Der Mann hat eben viel zu erzählen. Und noch viel vor. "Zeit ist ein knappes Gut", lässt der 61-Jährige wissen. Sicher, das operative Geschäft im wohl bekanntesten markenunabhängigen Autohaus Deutschlands hat der Gründer an seinen Sohn Michael (42) übergeben. Und Filius Daniel (31) soll bald den Verkauf all der Bugatti, Lamborghini und historischen Mercedes-Modelle verstärken, die der Familienbetrieb im Hegau-Städtchen Singen am Nordwestzipfel des Bodensees zu bieten hat.
Als Ruheständler fühlt sich Koltes deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil. "Ich bin gedanklich jeden Tag im Geschäft", sagt der Senior mit der makellosen Gesichtsbräune, "und arbeite mittlerweile viel über den PC von zu Hause."
Auch um vermeintliche Kleinigkeiten kümmert sich Koltes nach wie vor gern selbst. Etwa um die Anschaffung des neuen Kaffeeautomaten für den Auto Salon Singen. Ein Gerät für Gastronomieprofis der Schweizer Edelmarke Jura sollte es schon sein. "Liefert Cappuccino oder Latte Macchiato mit besonderer Geschmacksnote", lobt der bekennende "Liebhaber ausgefeilter Technik". Und wirbt sogleich um Verständnis: "Ob Sie es mir nun glauben oder nicht - derlei Dinge machen den Unterschied, auf so etwas achtet unsere Klientel ganz besonders."
Kein Wunder also, dass Koltes nicht mal schmunzeln muss, als er die "VIP-Toilette" im hinteren Winkel des Schauraums erwähnt. Das war natürlich auch seine Idee: Damit "eine gewisse Laufkundschaft", etwa von den PS-Pretiosen berauschte Schüler, den gediegenen Waschraum nicht mehrmals täglich verheert, ist die Tür mit einem Zahlenschloss gesichert. Zuletzt lautete der Code auf "4711".
Koltes ist es ernst mit dem Motto "Der Kunde ist König" - und mit der von ihm beschworenen "Liebe zum Detail". Beides bestätigt Martin Keydel, Chef der Unternehmensberatung Panta Rhei aus Ettlingen und stolzer Besitzer eines Jaguar-Roadsters von 1974: "Schon die Präsenz des Salons im Internet hält mich stundenlang von der Arbeit ab", bekennt der glühende Oldtimer-Fan. "Und die Auswahl vor Ort lässt manches Automuseum buchstäblich alt aussehen."
Damit gibt sich Koltes aber noch nicht zufrieden. "In Fragen der Gewährleistung können wir sicher noch besser werden", räumt er selbstkritisch ein. "In die Werkstatt sollten wir künftig mehr Energie stecken - und bei der Begutachtung der Fahrzeuge noch akribischer sein."
Mit Hochdruck arbeitet Koltes an einer globalen B2B-Plattform, um - auch mit Blick auf den günstigen Kurs des Dollar - international eine Reihe "guter und zuverlässiger Händlerkollegen" als Lizenzpartner zu gewinnen. Der Arbeitstitel: "Exklusive Auto Welt".
Die Errichtung eigener Filialen hingegen zieht Koltes nicht in Betracht: "In jüngeren Jahren hatte ich ein Möbelhaus mit zwei angeschlossenen Betrieben", blickt er zurück. "Was ich im Haupthaus verdient habe, wurde in den Filialen leider gleich wieder versenkt."
Dann steht er auf und rückt die Modellautos des Typs SLR von Mercedes-McLaren zurecht. "Ordnung muss sein." Auf der Kommode im Arbeitßimmer wie im Salon nebenan. Auf seiner Sammlung kostspieliger Ferrari-Uhren hinter poliertem Glas liegt nicht das kleinste Körnchen Staub.
"Was, schon so spät?" Koltes muss los - und eilt zu seinem Porsche Cayenne Turbo. Der ist frisch gewaschen. Ordnung muss sein.