Marktoberdorf. Die Ernüchterung ist Christian Fischer anzusehen: Seit Jahren informiert er sich über den Markt der Werkstattkonzepte, aber überzeugt hat ihn bislang kein einziges: "Es ist wie bei der Suche nach der Traumfrau. Man sollte sich auch keinem Werkstattkonzept anschließen, wenn es die Vorstellungen nur zur Hälfte erfüllt", sagt Fischer.
Und bislang hat kein Konzept die Anforderungen erfüllen können, die der Geschäftsführer von Autowelt Fischer in Marktoberdorf stellt. Denn Fischer hat sich für sein kleines Autohaus im Allgäuer Alpenvorland eine Marktnische ausgesucht. Er handelt vorwiegend mit EU-Importen japanischer Hersteller. Toyota, Honda und Mazda stehen auf seinem Hof, der etwas abgelegen in einem Gewerbegebiet liegt.
"Entsprechend brauchen wir von einem Systemanbieter vor allem technische Literatur und Unterstützung für japanische Modelle", sagt Fischer. Und genau daran hapert es seiner Meinung nach. Denn die Konzepte auf dem deutschen Markt konzentrieren sich vor allem auf europäische Autos. "Für einen Opel-Händler passt das sicher wunderbar, aber nicht für uns", bemängelt Fischer.
Bis zum Jahr 2004 war Fischer noch Mazda-Vertragshändler. Als der Importeur nach Inkrafttreten der GVO sein Wirtschaftsraumkonzept umgesetzt hat, ließ sich Fischer "bewusst kündigen", wie er sagt. Seither hat er nur noch einen Servicevertrag von Mazda. Seine Fahrzeuge bestellt er vor allem bei Kollegen in Dänemark und Holland.
Als Fischers Händlervertrag auslief, standen regelmäßig die Außendienstmitarbeiter seiner Teilehändler vor der Tür, um ihn von ihren Werkstattkonzepten zu überzeugen. Keine leichte Aufgabe, denn Fischer war bereits von der Qualität ihrer Teilelieferung wenig begeistert: "Egal welchen unserer Lieferanten ich betrachte, keiner von ihnen kann uns bei allen Teilen für die asiatischen Modelle schnell genug beliefern", sagt Fischer. Deshalb ordert er einige Ersatzteile mittlerweile bei holländischen Händlern.
Fischer investiert jährlich geschätzte 100 Stunden, um sich über den unübersichtlichen Markt der Servicesysteme zu informieren, mehrere Informationsveranstaltungen der Anbieter hat er schon besucht. Sein Fazit: "Große Unterschiede zwischen den einzelnen Konzepten kann ich nicht erkennen."
Deshalb wird er sich auch in der nächsten Zeit seine Teile auf dem freien Markt zusammensuchen und auf die Hilfe eines Konzepts verzichten. Mit dem Gedanken, doch noch einem System beizutreten, spielt Fischer aber weiterhin. Denn er würde gerne das alte, mittlerweile viel zu enge Gelände gegen ein neues Areal in Marktoberdorf tauschen. Dort will er seine Drei-Säulen-Strategie umsetzen: ein Servicevertrag von Mazda, ein zweiter Vertrag einer weiteren Marke und ein Werkstattkonzept für die Abdeckung des restlichen Markts.