München. Als Sebastian Vettel beim Großen Preis von Abu Dhabi vor einem halben Jahr die Ziellinie überquerte, hatte nicht nur das Team von Red Bull Grund zum Jubel: Vettel wurde jüngster Formel- 1-Weltmeister aller Zeiten, Siemens hatte ein gewichtiges Argument mehr für seine Industriesoftware. Denn Red Bull fuhr mit einer Software des Münchner Hightech- Konzerns auf die Pole-Position.
Die Ingenieure von Red Bull entwerfen und testen neue Bauteile mit einem Siemens-Programm am Computer und können sie kurz darauf anfertigen lassen. Die Software für den Produktlebenszyklus (PLM) ist also quasi das digitale Rückgrat des Rennstalls. In Stuttgart setzen die Daimler- Ingenieure schon seit Mitte der 90er-Jahre auf Siemens-Software, nun aber wollen die Schwaben und die Bayern ihre Zusammenarbeit deutlich ausbauen. Die CAD-Software von Siemens soll zur neuen Plattform für die weltweite Pkw- und Lkw-Entwicklung bei Daimler werden.
Mit dem CAD-Programm NX von Siemens führt der Premiumhersteller ein computergestütztes Werkzeug für die gesamte Produktentwicklung ein, mit dessen Hilfe Aufgaben im Design, im Engineering und in der Entwicklung gelöst werden sollen. Ab Sommer 2012 will Daimler die Arbeiten von weltweit mehr als 20 Entwicklungszentren sowie die der wichtigsten Zulieferer in einem einzigen Datenpool für die Produktentwicklung zusammenführen. Siemens sieht in seiner Industriesoftware, mit der auch Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt und dem Maschinenbau arbeiten, großes Potenzial. Siegfried Russwurm, Leiter des Industriesektors, hat daher bereits Zukäufe angekündigt.