München. Mehr Sicherheitsausstattung im Auto ist beim Endkunden alles andere als ein Selbstläufer. Nur solche Systeme setzen sich rasch durch, die serienmäßig an Bord sind. Und bei aufpreispflichtigen Sicherheitspaketen ist die Bereitschaft der Kunden für das Extra umso niedriger, je kleiner die Fahrzeugklasse ist. Für Accessoires wie Alufelgen oder Navigationsgerät sitzt das Geld noch immer lockerer als für Lebensretter wie ESP, Notbremsassistent oder zusätzliche Airbags. Relativ einfach ist die Vermarktung in der Ober- und Luxusklasse.
Diese Erfahrung machte Mercedes mit dem seit 2002 in der S-Klasse angebotenen Pre-Safe- System. Dieses aktiviert bei drohender Unfallgefahr vorsorgliche Schutzmaßnahmen, damit Gurte und Airbags optimal wirken können. In Verbindung mit dem Radar- Tempomaten "Distronic Plus“ wird bei einem drohenden Unfall eine Vollbremsung eingeleitet. Immerhin 40 Prozent aller S-Klasse- und 70 Prozent aller CL-Fahrzeuge werden damit geordert. Ein vergleichbares Schutzsystem bietet seit 2003 auch Honda mit CMBS ("Collision Mitigation Brake System“) im Legend an. Verfügbar ist es auch im Accord und im CR-V. Freilich nehmen Honda-Kunden das System kaum zur Kenntnis: Nur zwei Prozent aller Accord und knapp 3,5 Prozent aller CR-V werden mit CMBS bestellt. Das Sicherheitsextra kostet 2950 Euro Aufpreis und wird von Honda kaum beworben.
Bei 100 Prozent, weil serienmäßig, liegt dagegen die Ausrüstungsquote des neuen Volvo XC60 mit dem City-Safety-System. Es sorgt bei Geschwindigkeiten bis 30 km/h bei drohenden Kollisionen für eine Vollbremsung. Bei höherem Tempo schreitet ein Abstandsregeltempomat ein, den Volvo auch für seine großen Modelle S80, V70 und XC70 anbietet. Die Bestellrate dafür liegt aber nur bei bescheidenen zehn Prozent. Deshalb versuchen es die Schweden inzwischen mit einem preiswerten Sicherheitspaket: Inklusive Totwinkel-, Müdigkeitswarn- und Spurhalteassistent kostet das System jetzt 2050 Euro. Toyota bietet vorsorglichen Unfallschutz mit dem adaptiven Geschwindigkeitsregelsystem "Pre-Crash Safety“ (PCS) zum Preis von 3500 Euro. Weitere 2600 Euro kostet die umfangreiche Ausbaustufe "Advanced PCS“. Wegen des enormen Aufpreises beschränkte Toyota dieses Angebot bislang auf seine Lexus-Modelle. Seit Kurzem ist PCS aber auch im Avensis verfügbar. Ob die Mittelklasse-Klientel darauf anspringt, bleibt abzuwarten.