München. Diejenigen, die sich bisher um die rund 26 Millionen Hauptuntersuchungen pro Jahr kümmern, wollen sich neue Wettbewerber vom Hals halten. Denn das Geschäft ist milliardenschwer. Wer möchte da einen Konkurrenten mit weitverzweigtem Netz und engem Kontakt zu den Kunden? Schließlich werden laut ZDK schon heute vier von fünf Hauptuntersuchungen in Werkstätten und Autohäusern durchgeführt. Für TÜV, Dekra & Co. ist die Vorstellung beängstigend, dass die Werkstätten ihren teuer ausgebildeten Prüfingenieuren künftig die Tür vor der Nase zuschlagen und die lukrative Hauptuntersuchung in Eigenregie erledigen. Zur Besitzstandswahrung fährt der TÜV Süd schweres Geschütz auf. "Think Twice Duales Prüfsystem – Leben Retten“ ist ein Argumentationspapier der Bayern überschrieben, in dem sie unter anderem ausführen, dass Österreich mit seiner Meister-HU gefährlicher fährt – um ein Drittel höher sei die Quote an Toten im Straßenverkehr.
Die Argumente der Besitzstandswahrer lassen sich auf zwei Hauptpunkte bringen: Unabhängigkeit und Rentabilität. Der ZDK propagiere einen "Systemwechsel, weg von der Neutralität des dualen Systems hin zu einem System, das Interessenkonflikte produziert und Verkehrssicherheit und Verbraucherschutz gefährdet“, sagt Bernhard Kerscher vom TÜV Süd. Von überstrengen Gutachten, die den Werkstattumsatz ankurbeln sollen, bis zu Gefälligkeitsgutachten, mit denen untaugliche Autos durchgewinkt werden, reicht das Schreckensszenario. Zudem betonen die Prüfer immer wieder, dass sich der hohe Aufwand für kleine und mittlere Betriebe kaum lohnen werde. Nur große Ketten würden profitieren. Der erwartete hohe Aufwand hängt auch mit den Maßnahmen zur Qualitätssicherung zusammen, die der ZDK selbst in seinem Konzept vorschlägt.Neben einer zweimonatigen Zusatzausbildung für die Meister und fünf Tagen Weiterbildung pro Jahr soll es unabhängige Beschwerdestellen und Nachprüfungen der HUs geben. Letztere sollen nach dem Zufallsprinzip vor Ort im prüfenden Betrieb stattfinden. Bei Verstößen drohen Strafen, die schrittweise schärfer werden. Wer auff ällig wird, wird häufiger geprüft. Eine Idee, die man sich in Holland abgeschaut hat. Dort werden drei Prozent der HUs nachkontrolliert, Ähnliches strebt der ZDK an. Dass die Meister-HU schlechter für die Verkehrssicherheit wäre, weist der Verband entschieden zurück. Dass sie mehr Verkehrstote bringe, hält ZDK-Geschäftsführer Axel Koblitz für "völligen Unsinn“. Er verweist auf die sehr guten Zahlen in den Niederlanden und Großbritannien. Vor allem die Verbraucherfreundlichkeit und einen möglicherweise etwas niedrigeren Preis führt der ZDK als Pluspunkt für die Meister-HU ins Feld. Das Angebot der Werkstätten wolle man damit komplettieren. Viele Autohändler sehen die Diskussion pragmatisch. "Wenn es sich rechnet, machen wir es“, heißt es nüchtern bei Feser & Graf in Nürnberg. Bei der AVAG steht man der Initiative positiv gegenüber, sieht aber auch Haftungsrisiken. Selbst bei den Landesverbänden des ZDK ist die Meister-HU nicht unumstritten. Während sich beispielsweise Bayern und Baden-Württemberg dafür engagieren, wird in den eigenen Reihen Kritik laut. So gibt es einen Beschluss des Landesverbands Berlin-Brandenburg gegen die Meister-HU. Er gelte weiterhin, sagte Landesverbandspräsident Hans-Peter Lange auf Nachfrage. Er befürchtet vor allem, dass die Meister-HU sich nur für große Betriebe rechnet und eine Verzerrung zum Nachteil der kleinen bewirken wird.Showdown im Kampf um die HU
Die Meister-HU durchzusetzen dürfte für den ZDK angesichts all dessen schwierig werden. Auch weil Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer das deutsche System zuletzt als bewährt gelobt und auf europäischer Ebene als Vorbild dargestellt hat. Zwar heißt es in seinem Haus, man müsse sich das Konzept des ZDK anhören und auch mit den Ländern besprechen. Großen Willen, das bestehende System zu ändern, spürt man allerdings nicht. Und das könnte am Ende der Knackpunkt sein. Auch wenn der ZDK den Kritikern seines Vorschlags vieles entgegenhalten kann: Um die Änderung eines lange bestehenden Systems zu erreichen, braucht es ein deutliches Übergewicht der Pro-Argumente. Deshalb ist bei der Vorstellung im Bund-Länder-Fachausschuss ein Volltreffer Pflicht.