Kitzingen. Zwei Jahre nach seinen spektakulären Verkaufserfolgen im Zuge der Abwrackprämie sorgt das VW/Audi-Autohaus Sessner in Kitzingen nun für Negativschlagzeilen: Ende Juni hat das Unternehmen Antrag auf Insolvenz gestellt. Grund ist die Kündigung der Kredite durch die VW-Bank zum 31. Juli. Warum die Bank die seit mehr als drei Jahren laufenden Verhandlungen nun eingestellt hat, dafür hat Inhaber Jens Bergmann keine Erklärung. Ein letzter Vermittlungsversuch des Sessner-Betriebsrats scheiterte im Mai – obwohl das Unternehmen gegenüber der Bank "Zugeständnisse machte, die nicht zu überbieten waren“, so Bergmann.
Die VW-Bank wollte sich zur Insolvenz ihres langjährigen Vertriebspartners unter Berufung auf das Bankgeheimnis nicht äußern. Hintergrund der Zahlungsunfähigkeit sind Restwertverluste aus Vermietgeschäften der Jahre 2007 und 2008 in Höhe von rund 30 Millionen Euro. Die Geschäfte seien von VW selbst gefördert worden, "aber letztendlich“, so Bergmann, "war es unsere eigene unternehmerische Entscheidung.“ VW habe mindestens dieselbe Summe verbrannt. Bekannt geworden ist das Autohaus durch seine bundesweiten Flottengeschäfte, die unter Markenkollegen durchaus umstritten waren. "Dass jemand aus einem Würzburger Vorort bundesweit Großflotten bedient, hat viele Kollegen geärgert“, berichtet ein Insider. Andererseits habe VW Bergmanns Geschäftsmodell lange "mit großem Wohlwollen“ begleitet.
Bereits 2008 habe es massive Restwertprobleme gegeben, und nach Ansicht des Branchenkenners "war die Insolvenz schon damals fällig“. VW sei jedoch finanziell eingesprungen – im Gegenzug gab Gesellschafter Bergmann im Frühjahr 2010 die Geschäftsführung an Volker Fritz ab, der zuvor das Hamburger VW-Retail-Unternehmen Raffay geführt hatte. Auch die Münchner Mahag war vor knapp zwei Jahren durch Restwertverluste in finanzielle Schieflage geraten. In Ermangelung von Investoren stieg der VW-Konzern Anfang 2010 über seine Retail- Tochter selbst ein.
Bei der Sessner-Gruppe hingegen ist man schon fündig geworden: Bereits im Vorfeld habe der Hersteller mit der Würzburger Spindler-Gruppe Gespräche geführt, erfuhr Sessner-Betriebsratschef Martin Budesheim von hochrangigen VW-Bank- Mitarbeitern. Demnach stehe bereits das Konzept für eine rasche Abwicklung der Übernahme, die "90 bis 95 Prozent“ der Sessner- Mitarbeiter einschließe. Das Autohaus Sessner verkaufte 2010 rund 3700 Neuwagen und rangiert damit auf Platz 49 des aktuellen Top-100-Rankings. Die Spindler-Gruppe, alteingesessenes Würzburger Kfz-Unternehmen, belegt Platz 35 der Top-100-Handelsgruppen. Im vergangenen Jahr wurden an zwölf Standorten im Großraum Würzburg fast 5000 Neuwagen verkauft und knapp 150 Millionen Euro umgesetzt.