München. Die Zeiten für die Logistikdienstleister werden schwieriger. 2011 erzielte die gesamte Branche in Deutschland noch ein Umsatzwachstum von rund sechs Prozent auf 222 Milliarden Euro, errechnete die Bundesvereinigung Logistik (BVL) in ihrer jüngsten Statistik. Die Erwartungen für 2012 sind allerdings durchwachsen. Für die Automobillogistik in Europa sei einerseits „in Summe eher eine Stagnation zu erkennen, da derzeit die großen Hersteller aus Italien und Frankreich schwächeln“, erläutert Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung des Branchenverbands. Allerdings geht die BVL gestützt „auf die Erhebungen des Logistikindikators für Deutschland immer noch von einer leichten Steigerung des Nachfragevolumens aus“.
Nach Einschätzung von Christian Kille hat die Automotive-Logistik in Deutschland einen Anteil von gut elf Prozent am Gesamtmarkt der Logistik. Der Marktexperte der BVL geht davon aus, dass von diesen rund 25 Milliarden Euro etwa 22 Milliarden auf die Erstausrüstungs- und Lieferantenlogistik entfallen. Mit dem Transport von rund zehn Millionen fertigen Fahrzeugen erziele die Branche knapp zwei Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Dazu zählt Kille die rund fünf Millionen in Deutschland produzierten Fahrzeuge, eine Million importierte Neuwagen und vier Millionen junge Gebrauchte unter vier Jahren. Den Umsatz der Ersatzteillogistik veranschlagt Kille auf rund eine Milliarde Euro. Auf Schätzungen und Ableitungen sind die Experten angewiesen, weil Automotive-Logistik statistisch nie separat erfasst wird.Grundsätzlich sieht die BVL aber unabhängig von der Entwicklung der Automobilproduktion noch erhebliches Wachstumspotenzial für die Logistikdienstleister durch verstärktes Outsourcing sowohl im engeren Logistikbereich wie auch bei zusätzlichen Aufgaben. So schätzt die Fraunhofer-Arbeitsgruppe Supply Chain Services in einer Studie das Volumen der Kontraktlogistik in der gesamten Industrie europaweit auf fast 400 Milliarden Euro – davon seien aber nur rund 100 Milliarden Euro an Dienstleister vergeben. Karl Nowak, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsleitung für Einkauf und Logistik und BVL-Vorstandsmitglied, betont: „Generell kann man feststellen, dass der Trend hin zu mehr Outsourcing geht. Bislang wurden in erster Linie Transport und Lagerung der externen Logistik an Dienstleister vergeben. Künftig dürften verstärkt auch interne Logistik, teilweise sogar Planungsaufgaben ausgelagert werden.“Und in der Verlagerung darüber hinausgehender Tätigkeiten sieht Wimmer weiteres Potenzial.Studien belegten, „dass heute immer noch überwiegend ‚einfache‘ Tätigkeiten an Dienstleister vergeben werden. Es ist also noch hinreichend Potenzial vorhanden für ein Wachstum im Bereich der Kontraktlogistik.“ Ob die Fremdvergaben an Lieferanten oder Dienstleister gehen, hänge „von vielen Faktoren ab: beispielsweise von deren Kernkompetenzen, den Produktstrukturen, der Positionierung in der Lieferkette und vielem mehr“. Anders als vielleicht zu erwarten, sieht die BVL die Globalisierung mit ihren hohen Anforderungen nicht als Gefahr für kleine und mittelständische Logistiker. Denn auf die veränderten Anforderungen – nicht zuletzt sprachliche und interkulturelle Kompetenzen – könnten kleine Unternehmen flexibel reagieren. Sie seien hier oft „sogar im Vorteil, insbesondere, wenn sie spezifische Märkte bedienen oder strategische Allianzen mit anderen kleinen und mittleren Unternehmen eingehen“.Schwaches Wachstum trifft Dienstleister
Die Zeiten für die Logistikdienstleister werden schwieriger. 2011 erzielte die gesamte Branche in Deutschland noch ein Umsatzwachstum von rund sechs Prozent auf 222 Milliarden Euro, errechnete die Bundesvereinigung Logistik (BVL) in ihrer jüngsten Statistik. Die Erwartungen für 2012 sind allerdings durchwachsen.