München. Viele Projekte sind derzeit noch am Anfang, gerade wenn es darum geht, die Infrastruktur darauf vorzubereiten, mit Autos Verkehrsinformationen austauschen zu können. Jüngst startete das Projekt der Landesinitiative Mobilität Niedersachsen, bei dem Notrufsäulen mit Technik ausgestattet werden, um Daten an Autos zu senden, zu empfangen und sie an Rechenzentren weiterzuleiten. „Noch ist die Car-to-X-Kommunikation für alle Beteiligten Neuland. Viele Aspekte müssen für ihre Realisierung berücksichtigt werden – gerade im Bereich der Infrastruktur“, sagt Kelei Shen, Infotainment-Experte bei Harman. Nicht nur urbane Ballungsräume sollten im Zentrum der Technologieentwicklung stehen. „Es muss auch über Lösungen in ländlichen Gegenden nachgedacht werden, in denen heute nur ein eingeschränktes Funknetzwerk verfügbar ist“, sagt Shen. Hersteller und Zulieferer wollen aber nicht warten, bis Ampeln, Baustellenfahrzeuge oder Verkehrsschilder technisch optimierten werden, sondern entwickeln Lösungen, die auch ohne entsprechende Infrastruktur funktionieren. So präsentierte Continental bereits gemeinsam mit IBM auf der Consumer Electronics Show (CES) im vergangenen Januar in Las Vegas eine Lösung, die Autos nahezu in Echtzeit über einen leistungsfähigen Rechnerverbund, ein Backend, miteinander kommunizieren lässt. „Diese Vernetzung bietet zukünftig aus unserer Sicht eine besonders große Bandbreite an Funktionen“, sagt Johann Hiebl, Leiter des Geschäftsbereichs Infotainment und Vernetzung bei Continental. „Vom komfortablen Hinweis auf zähfließenden Verkehr bis hin zur wichtigen Basisfunktion für hochund vollautomatisiertes Fahren.“ Daten für diese Hinweise werden beispielsweise von Autos, die im Stadtgebiet vor einer roten Ampel stehen, an ein Backend gesendet und dort so aufbereitet, dass alle anderen Fahrzeuge nahezu in Echtzeit auf diese Verkehrsdaten zugreifen können. Das Backend ist auch in der Lage, aus den Daten, die von Fahrzeugen gesendet werden, Regelmäßigkeiten zu erkennen. So kann an Autofahrer zurückgemeldet werden, wann eine Ampel wieder von Rot auf Grün springt. Auch bei Daimler will man sich vom zögerlichen Aufbau der Infrastruktur nicht bremsen lassen. „Heute können Autos schon sehr viel mit ihrer komplexen Sensorik erkennen. Wir arbeiten aber an Lösungen, die diesen Teil der Interaktion mit der Infrastruktur, also Ampeln, Baustellenschilder oder Rettungswagen, die Signale an andere Verkehrsteilnehmer senden, nicht zwingend brauchen“, sagt Ralf Lamberti, Leiter des Bereichs User Interaction & Connected Car (siehe Interview unten). Doch es braucht mehr Verbreitung, damit Car-to-X über das Backend funktioniert: „Sie ist nur dann sinnvoll, wenn genügend Fahrzeuge im Feld mit dieser Technologie ausgestattet sind und alle Fahrer davon profitieren können“, sagt Ulrich Fastenrath, Leiter des Verkehrsinformationsmanagements und Routenoptimierung bei BMW. Noch ist unklar, wann die nötige Marktdurchdringung erreicht wird und weitere Car-to-X-Assistenten sinnvoll werden. „Sicherheits- und Komfortfunktionen wie der Kreuzungs- oder Ampelassistent benötigen noch weitere Entwicklungsarbeit“, sagt Fastenrath.
Car-to-X-Kommunikation
Schneller als der Staat
„Knight Rider ist nicht mehr weit von uns entfernt“, sagte Elmar Frickenstein, Leiter des Bereichs Entwicklung, Elektrik und Elektronik bei BMW, jüngst auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung. Bis die Deutschen ihre Autos wie Michael Knight in der US-Serie durch die Straßen kommandieren, wird noch einige Zeit vergehen. Aber zumindest werden ihre Fahrzeuge bald miteinander und mit der Verkehrsinfrastruktur kommunizieren können.