Berlin. Automatisiertes Fahren ist längst keine Zukunftsvision mehr. Unsicher ist, wann die gesetzliche Grundlage dafür in Deutschland geschaffen wird. So präsentierte der Daimler-Konzern jetzt bei einer Veranstaltung Lkw und Busse und deren intelligente Technikneuheiten, die teilautonomes Fahren ermöglichen. Dabei überwacht der Fahrer wie ein Pilot im Flugzeug den Verkehr und die Systeme. Unfälle sollen so vermieden und der Kraftstoffverbrauch gesenkt werden. „Uns treibt eine große Vision an: die Vision vom unfallfreien Fahren. Wir sind entschlossen, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen“, kündigte Wolfgang Bernhard an, Daimler-Vorstand Trucks & Buses.
Daimler als Truck-Pionier
Mehr Sicherheit verspricht dabei unter anderem die „Mirror Cam“, die den klassischen Rückspiegel ersetzen soll. Weiter wurde der Abbiege-Assistent vorgeführt, der gerade im Stadtverkehr an unübersichtlichen Kreuzungen Fußgänger und Fahrradfahrer für den Fahrer sichtbarer macht. Der „Highway Pilot“ hält selbstständig Abstand, und bei Unfällen oder Stau bremst er bis zum kompletten Stillstand ab. Diese Assistenzsysteme wurden schon früher für Pkw vorgestellt.
Bei Nutzfahrzeugen sieht sich Daimler als Vorreiter: „Bei solchen aktiven Sicherheitssystemen sind wir die Pioniere. Viele Lösungen haben wir bei unseren Lkw in den vergangenen Jahren weit vor einer gesetzlichen Regelung eingeführt“, sagte Bernhard. Und so soll, nachdem Daimler die technische Voraussetzung für das teilautonome Fahren für sich perfektioniert hat, auch die gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Unter den Gästen der Veranstaltung „Security Campus“ war Staatssekretär Norbert Barthle, der helfen könnte, eine Änderung der UN/ECE-Regelung R 79 in die Wege zu leiten. Die „Wiener Straßenverkehrskonvention“ von 1968 besagt, dass nur korrigierende Lenkeingriffe bei Geschwindigkeiten bis 10 km/h gestattet sind. Solange das europaweit greift, wird es keinen Autopiloten in Trucks und Bussen geben. Lkw, bei denen die Insassen gar keinen Einfluss auf den Autopiloten haben, sind ohnehin völlig ausgeschlossen. So oder so: Die Hoheit am Steuer behält erst einmal der Mensch.