München. Tiefergelegt, weiß glänzend, auf großen 19-Zoll-Rädern stehend, hinter denen gelbe Bremssättel aufblitzen, und eine mit auffälligen Carbon-Teilen modifizierte Karosserie – so gerüstet war ein BMW 135i Coupé einer der heimlichen Stars des diesjährigen Genfer Autosalons. Allerdings war der BMW nicht von einem Tuner präpariert, sondern vom Hersteller selbst. Die Komponenten gibt es inzwischen bei jedem Vertragshändler zu kaufen, zusammengefasst in der sogenannten BMW-Performance-Linie. Spätestens beim Anblick dieses Fahrzeugs in Genf schwante so manchem etablierten Tuner, was die Stunde geschlagen hat. Die Käufer solcher Accessoires können oder wollen zwar nicht das sportliche Topmodell einer Baureihe erwerben, sind aber bereit, einige Euro in die Optik ihres Fahrzeugs zu investieren. Nun wollen die Hersteller ein immer größeres Stück vom profitablen Kuchen der Fahrzeugindividualisierung – auch im Aftersales-Bereich.
Veredler wie AC Schnitzer betrachten dies als direkte Konkurrenz und suchen ihr Heil im Motortuning, an das sich die Hersteller nicht herantrauen. „Vor allem bei Dieseltriebwerken ist das noch immer ein lukratives Geschäftsfeld“, heißt es bei dem Aachener Tuner. Hier hat sich im Rahmen der CO2-Diskussion die Nische des sogenannten Öko-Tunings aufgetan. Firmen wie SKN, Abt und Brabus bieten Drehmomentoptimierungen, die ein niedrigeres Drehzahlniveau ermöglichen und somit geringeren Verbrauch versprechen. AC Schnitzer und Irmscher haben dagegen Autogas als Alternative entdeckt. Die fortwährende Spezialisierung auf die immer kleiner werdenden Nischen, die von den Herstellern nicht besetzt werden, hält die Branche derzeit am Leben. „Es ist nicht so schlimm, wie oft geunkt wird“, sagt Hans-Jörg Köninger, Vorstandsmitglied beim Verband der Automobiltuner (VDAT). Speziell Tuner von Premiumfahrzeugen könnten noch ordentliche Steigerungen verzeichnen. „Doch auch diese Firmen müssen sich anstrengen, um noch ein gutes Ergebnis erzielen zu können“, sagt Köninger.
Für die Veredler von Volumenmodellen wird es dagegen immer schwieriger. Denn Hersteller wie Opel und VW haben dieses Geschäft für sich entdeckt. Kunden, die viel Geld für Alufelgen und Sportsitze zahlen, die weder nach Rabatt noch nach CO2-Ausstoß fragen, sind außerhalb der Tuning-Szene selten geworden. Also drängen die Autohersteller verstärkt in das lukrative Revier der Veredler. Wegen der großen Nachfrage vor allem nach einzelnen Tuning- Komponenten wie Fahrwerke und Alufelgen prognostiziert Köninger für die Tuning-Branche einen leichten Zuwachs. „Im vergangenen Jahr lag der Gesamtumsatz der Branche bei 4,7 Milliarden Euro, in diesem Jahr werden wir ein bis zwei Prozent darüber liegen“, erklärt Köninger.