Viele Jahre schimpfte man in der Branche über den frühen Messestart der Auto Show in Detroit. Schlussendlich mit Erfolg. Doch jetzt heißt es schon wieder: nicht Skilaufen, sondern Schaulaufen. Diesmal in Las Vegas. Denn die Digitalisierung besetzt jede Nische. Rücksicht auf Traditionen und Gepflogenheiten gibt es nicht, schon gar nicht auf europäische. So gaben sich auf der Consumer Electronics Show viele Chefs der Autobranche ein Stelldichein. Auch wir sind „Pioneering Thinkers“, war deren Botschaft in Las Vegas. Denn die Mobilität der Zukunft ist elektrisch, automatisiert und vernetzt. Apple stellte auch in diesem Jahr nicht aus. Das macht aber nichts. Denn ein großer Teil der automobilen Karawane wird ohnehin weiterziehen, nicht ins frostige Detroit, sondern ins warme Silicon Valley. Zum einen, um die eigenen Entwicklungszentren zu besuchen. Zum anderen, um wieder einmal um die Gunst heiratsfähiger Partner zu buhlen – auf der Suche nach der „Mobile App“, nach dem digitalen Rundum-sorglos-Paket für den Fahrer vernetzter Autos.
Zwei Welten prallen bei diesem Werben aufeinander. Die alte mit Benzin im Blut und die neue mit den Bits und Bytes. Sie brauchen sich gegenseitig. Doch klar ist auch, Benzin braucht Bits weit mehr als vice versa. Das Statement von Audi-Chef Rupert Stadler klingt da doch eher wie ein bloßes Lippenbekenntnis: „Wir lassen uns von Google nicht die Butter vom Brot nehmen.“ Wie schnell die Butter weg sein kann, haben wir bei den Verlegern gesehen. Friede Springer, Hubert Burda & Co. wollten von Google Lizenzgebühren für Inhalte haben. Geklagt haben sie gegen Google für ein sogenanntes Leistungsschutzrecht. Das Ende vom Lied war die kleinlaute Kapitulation vor der Marktmacht des Suchmaschinen-Riesen. Im vergangenen Jahr begegnete ich auf der Auto Show in Detroit einem jungen Mann, den ich in diesem Jahr dort wohl eher nicht treffen werde. Er war der Chef des Forschungs- und Entwicklungszentrums einer deutschen Premiummarke im Silicon Valley. Sein Kurzzeichen war JJ. Heute arbeitet er nur fünf Kilometer weiter, bei Apple in Cupertino.