Zürich/Frankfurt. Für die einen ist er nur ein Träumer und Paradiesvogel, der auf dem Genfer Auto-Salon für ein paar Farbtupfer sorgt. Doch vor allem für die Zulieferer ist Frank M. Rinderknecht mittlerweile ein wichtiger Partner. Denn vom Tuner hat sich seine Firma Rinspeed längst zu einem Entwicklungsdienstleister gemausert, der seinen Mitstreitern eine Bühne für ihre Innovationen bietet. „Wie sonst sollte sich ein Anlagenbauer wie Kuka oder ein Leichtbau-Lieferant wie Fischer auf einer Publikumsmesse in Szene setzen?“, fragt Rinderknecht. Die Begleittexte zu seinen Autos lesen sich wie das Who’s who der Zulieferbranche aus der zweiten Reihe.
Während Giganten wie Magna oder Bosch ihre eigenen Showcars aufbauen können, zeigt Rinderknechts diesjähriger Entwurf Budii ein HMI-Design (Mensch-Maschine-Schnittstelle) von Luxoft, Vernetzungstechnologien von NXP, eine HD-Musikanlage von Harman Kardon, Laser von Ibeo Automotive Systems und eine hochauflösende Kamera von Kappa Optronics. Aber der Schweizer Rinderknecht leistet vor allem geistige Entwicklungshilfe: „Wir bieten eine Kultur, in der Innovationen eine Chance haben.“ Während Konzerne von Bedenkenträgern regiert würden, die ein Scheitern als Niederlage werten und deshalb keinen Mut zu Experimenten haben, lebt er die Idee vom Trial and Error vor. „Wir grübeln nicht lange herum, sondern probieren einfach etwas aus“, beschreibt er seine Unternehmensphilosophie. „Wenn es scheitert, dann ist das kein Beinbruch. Und wenn wir es hinbekommen, können die Autohersteller immer noch aufspringen.“
Innovationstuning
Mit diesem Ansatz steht er in der Tradition des Frankfurter „Modeschöpfers unter den Autotunern“ Rainer Buchmann, der mit seiner Firma bb-Tuning als Pionier des Innovationstunings gilt. Schon Buchmanns erstes Auto, der Regenbogen-Porsche, war ein Werbeträger für Polaroid. Und bei allen nachfolgenden hat er mit neuen Technologien experimentiert: Aus dem Entfernungsmesser der Sofortbildkameras hat er die erste Einparkhilfe der Welt konstruiert. Ein Freund aus der Luftfahrt hat ihm das erste digitale Informationssystem fürs Auto programmiert, das man heute als Bordcomputer kennt. Und die Erfindung des Multifunktionslenkrads reklamiert er genauso für sich wie die Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung.
Zwar will sich Buchmann gar nicht als Erfinder feiern lassen. „Aber ich hatte den Mut, neue Technologien einfach auszuprobieren“, sagt er in der Rückschau. Und er hatte das nötige Geschick, die Zulieferer ins Boot zu holen. „Ich war so etwas wie deren Versuchskaninchen. Mit mir konnten sie ohne Risiko neue Sachen testen. Wenn eine Erfindung floppte, war das fürs Image kein Schaden. Und wenn etwas funktionierte, wurden ruck, zuck die Großserienhersteller aufmerksam und haben es übernommen.“ Fast genau 40 Jahre nach dem Debüt des Regenbogen-Porsches meldet sich Buchmann jetzt wieder zurück. Er arbeitet gerade an einer Kleinserie im Geist von gestern. Das soll aber nur der Anfang sein, sagt der PS-Pensionär: „Wenn es ernst werden soll mit dem bb-Comeback, dann muss spätestens in zwei Jahren ein ganz neues Auto her. Gespickt mit neuen Technologien.“