München. Die Ankündigung der chinesischen Autohersteller SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation) und NAC (Nanjing Automobile Corporation), künftig zusammenarbeiten zu wollen, wird von Experten als überfällige Entscheidung mit Signalcharakter gewertet. Die amerikanische Rating-Agentur Fitch hält eine Konsolidierung der stark zerstückelten chinesischen Automobilindustrie sogar für unumgänglich.
Die Absichtserklärung der beiden Konzerne zeigt "einen begrüßenswerten Trend in diese Richtung", sagt Matthew Kong, Direktor des Asien-Geschäfts von Fitch. "Die Gespräche sind auch ein Zeichen dafür, dass beide Firmen damit aufhören, gegeneinander mit Produkten anzutreten, die auf der gleichen Basis entwickelt wurden", so Kong weiter. Der größte chinesische Autobauer SAIC hatte nach der Insolvenz von MG Rover 2005 die Rechte an den Rover-Modellen 25 und 75 sowie an allen Motoren erworben, das deutlich kleinere Unternehmen NAC die Marke MG samt deren Produkten und dem Werk im britischen Longbridge. Einige MG-Produkte sind jedoch Derivate der von SAIC erworbenen Rover-Modellreihen.
SAIC, Partner von GM und VW in China, hat den Rover 75 bereits als Roewe 750 wieder aufgelegt. Die Rover-Markenrechte liegen noch bei Ford. NAC, bislang vor allem im Nutzfahrzeug-Segment aktiv, baut in Longbridge seit Mai den MG TF und wird auch eine überarbeitete Version des MG ZT, eines sportlichen Rover 75, produzieren. "Neben Einsparungen bei Investitionen hilft eine Zusammenarbeit SAIC im Nutzfahrzeug-Geschäft, während NAC vom Kapital und Management von SAIC profitieren würde", so Kong.
Derzeit gibt es rund 150 Autohersteller in China, die per Lizenz der Regierung zur Autoproduktion zugelassen wurden. Offizielle Stellen in Peking haben jüngst verlauten lassen, dass man gerne drei oder vier große Auto-Gruppen sehen würde, die ihre Produkte auch weltweit erfolgreich verkaufen können. Vor allem in den Schlüsselmärkten Europa und USA konnte noch keine chinesische Marke Fuß fassen. "Eine Fusion von NAC und SAIC würde einen gigantischen Autobauer hervorbringen, der 2010 rund zwei Millionen Fahrzeuge produzieren kann", so Kong weiter. Sun Jian, Auto-Experte der Beratungsfirma A.T. Kearney, hält eine Fusion für unwahrscheinlich. Er geht davon aus, dass die Zusammenarbeit kaum über gemeinsame technische Entwicklungen im Antriebssektor hinausgehen wird.