Wien. „Die wirtschaftlich schwierige Lage Russlands wirkt sich natürlich auch auf den russischen Lkw- Markt aus und damit auch auf Daimler“, sagt ein Daimler-Sprecher und fügt hinzu: „Mercedes- Benz Lkw konnte in Russland aber kontinuierlich Marktanteile hinzugewinnen.“ In den nächsten Jahren wird trotz der gegenwärtigen Wirtschaftskrise mit einem weiteren Wachstum des Markts für mittelschwere und schwere Lkw gerechnet. Langfristige Prognosen rechnen mit einem Marktvolumen von bis zu 200.000 Fahrzeugen. Mehrere westliche Hersteller haben Werke in Russland etabliert. Die VW-Tochterfirmen MAN und Scania siedelten sich an unterschiedlichen Standorten in St. Petersburg an. Scania hatte bereits 2010 mit dem Lkw-Bau begonnen, MAN startete die Serienmontage erst Mitte 2013. Beide Unternehmen arbeiten bei der Lokalisierung der Teileproduktion zusammen. Das Projekt „Materiallokalisierung Russland“ startete 2012. In die Aktivitäten des in St. Petersburg angesiedelten gemeinsamen Beschaffungsteams ist auch das MAN-Montagewerk in Kasachstan einbezogen. Zunächst liegt der Fokus vor allem auf Fahrgestellteilen wie Treibstofftanks, Kotflügel, Drehstab-, Blatt- und Parabelfedern sowie Rädern und Reifen. Geprüft wird auch die Fahrerhausproduktion. Volvo Trucks und seine Konzerntochter Renault Trucks wiederum haben sich in Kaluga angesiedelt, nachdem Volvo-Lkw bereits seit 2003 in der Nähe von Moskau montiert wurden. Das Werk in Kaluga wurde 2009 eröffnet, 2013 hat dort Volvo mit dem Bau einer Produktionsanlage für Fahrerhäuser begonnen. Für einen anderen Weg hat sich Daimler entschieden und im Jahr 2008 mit dem größten russischen Lkw-Hersteller Kamaz eine strategische Partnerschaft vereinbart. Daimler ist mit elf Prozent an Kamaz beteiligt und verwaltet weitere vier Prozent für die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Die Schwaben haben keine Pläne, ihren Anteil über 15 Prozent hinaus aufzustocken. Die 2009 gegründeten Joint Ventures Mercedes-Benz Trucks Vostok und Fuso Kamaz Trucks Rus bauen in Nabereschnyje Tschelny seit 2010 Lkw der Marken Mercedes-Benz und Fuso. Von den rund 5500 im Vorjahr verkauften Fahrzeugen wurden fast 75 Prozent lokal produziert. Einige Bauteile sind bereits lokalisiert, beispielsweise Sattelanlagen, Reifen und Filter-Separatoren. Die Rahmenfertigungsanlage wurde im November 2013 in Betrieb genommen, seither werden die Rahmen lokal montiert und lackiert. Von den asiatischen Marken werden Hyundai-Lkw bei Avtotor in Kaliningrad montiert, für die Isuzu-Produktion sorgt das Joint Venture Sollers-Isuzu in Uljanowsk.
Bedeutung des Produktionsstandorts
Russland etabliert sich als Lkw-Land
Die Bedeutung Russlands als Markt für westeuropäische Lkw-Hersteller ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Doch die aktuell schlechte Wirtschaftslage hinterlässt deutliche Spuren. Zwischen Januar und August 2014 haben die 30 erfolgreichsten Marken laut Avtostat-Info 56.890 Lkw über fünf Tonnen verkauft, 23,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im August betrug der Rückgang 35,2 Prozent. Die erfolgreichste westliche Marke war bis Ende August Scania mit 3934 Fahrzeugen, gefolgt von Hyundai, MAN, Volvo und Mercedes-Benz.