München. „Gerade als mittelständisches Unternehmen konkurrieren wir um Fachkräfte in technischen, aber auch in kaufmännischen Berufsbildern. Sie sind immer schwieriger zu gewinnen, wenn man rein den deutschen Markt betrachtet“, sagt Thomas Sundermann von Carcoustics. Der Leverkusener Automobilzulieferer rekrutiert verstärkt im Ausland und bietet neuen Kollegen regelrechte „Rundum-sorglos-Pakete“ an. Das Unternehmen sucht unter anderem in Spanien, Italien und Ungarn über Industrie- und Handelskammern, Online-Jobbörsen oder Ausschreibungen an Schwarzen Brettern der Hochschulen. Erfolgreiche Bewerber bekommen Ansprechpartner, die Sprachkurse organisieren, in Steuerfragen beraten oder beim Wechsel der Krankenkasse helfen. Sogar einen Paten gibt es, der neue Kollegen mit zum Fußball, Badminton oder zu einem der anderen Sportkurse nimmt, die Carcoustics anbietet. In den vergangenen drei Jahren wurden auf diese Weise 14 neue Mitarbeiter unterstützt. „Der Knackpunkt ist, dass die Kollegen in den ersten Monaten ins Unternehmen finden. In Fällen, wo man sich darauf verlassen hat, dass sie alleine Fuß fassen, ist das eher gescheitert“, sagt Sundermann. Schon kleine Dinge könnten die Integration verhindern.
Einen anderen Weg hat Formel D aus Troisdorf bei Köln gewählt. Das international agierende Unternehmen hat ein Intensiv- Programm für neue Führungskräfte aus dem Ausland, sei es Indien, Russland, Tschechien oder die USA, entwickelt. Sie durchlaufen gemeinsam eine Einarbeitungsphase in der Hauptverwaltung, um sie mit allen Unternehmensbereichen von der Rechtsabteilung bis zum Vertrieb vertraut zu machen. „Nach zwei Wochen hängt den Kollegen die Zunge aus dem Hals, sie werden richtig gefordert, haben am Ende aber auch was davon“, sagt Personalmanagerin Saskia Meyer-Spelbrink. Gut 40 ausländische Kollegen haben im Vorjahr an dem Programm teilgenommen, das auch eine Betreuung jenseits der rein fachlichen Einarbeitung umfasst. Mittags geht man gemeinsam essen oder die deutschen Kollegen organisieren eine Führung im Kölner Dom. Und wenn die Mitarbeiter aus China wegen des dortigen Milchpulver-Skandals nach Babynahrung fragen, beschafft man ihnen Vorräte aus der nächsten Drogerie.Rundum-sorglos-Pakete
Auf der Suche nach Fachkräften blickt die deutsche Automobilbranche verstärkt ins Ausland. Doch gerade unbekanntere Firmen haben es bei der Suche nicht leicht. "Je bekannter der Name, desto weniger Probleme gibt es in der Personalabteilung“, sagt Stefanie Senft vom VDA. Um mithalten zu können, gehen kleinere Firmen ungewöhnliche Wege.