Hannover. Die Reorganisation des Continental-Konzerns in eine „Automotive“- und eine „Rubber-Group“ sorgt bei Wettbewerbern des Autozulieferers für höchste Aufmerksamkeit – und schürt Hoffnungen auf eine Übernahme einzelner Geschäftsfelder. Conti-Chef Karl-Thomas Neumann führt seit dem 1. Oktober die aus den Divisionen Powertrain, Interior und Chassis & Safety gebildete Automotive-Gruppe. Stellvertreter Alan Hippe leitet die Rubber-Gruppe (ContiTech, Nfz- und Pkw-Reifen).
„Wir verfolgen das aktuelle Geschehen in Hannover sehr genau“, erklärte ein Manager des französischen Reifenherstellers Michelin gegenüber Automobilwoche. „Immerhin zählt Continental ja zu unseren wichtigsten Konkurrenten.“ Mit einer Akquisition des Conti-Reifengeschäfts könnte Michelin die japanische Bridgestone-Gruppe als weltgrößter Pneuproduzent abhängen. Allerdings sind beide Anbieter auf dem europäischen Markt bereits gut aufgestellt – und würden sich in Wachstumsgebieten wie Asien und Südamerika kaum ergänzen.
Gegen einen Zusammenschluss könnte es auch kartellrechtliche Bedenken geben. Zudem lahmt das Reifengeschäft derzeit in vielen Regionen – erste Anbieter haben bereits ihre Arbeitsschichten reduziert. Einige Branchenkenner gehen nun davon aus, dass die Reifenaktivitäten von Continental zusammen mit ContiTech rechtlich verselbstständigt werden. Dies würde den Einstieg eines Investors wie auch die Verschmelzung mit einem passenden Wettbewerber erleichtern. Andere Beobachter erwarten einen Börsengang des Reifen- und Gummigeschäfts, der angesichts der Krise an den Finanzmärkten aber noch länger auf sich warten lassen dürfte. „Die Neupositionierung eröffnet uns ein breites Spektrum von Optionen“, sagte ein Conti-Sprecher auf Anfrage.