München. Auf den ersten Blick sieht der Gebrauchtwagenmarkt gut aus. 4,2 Millionen Besitzumschreibungen gab es von Januar bis Juli bei Pkw, 3,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Doch bei genauerer Betrachtung ergibt sich ein vielschichtiges Bild. Schon die Frage, ob die Preise denn derzeit höher oder niedriger als vor einem Jahr sind, liefert widersprüchliche Antworten. Während Mobile.de in seinem Angebotsbestand im Juli ein Plus von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und einen seit Jahresbeginn gestiegenen Durchschnittspreis ausmachte, stellte Autoscout24 ein Minus von 2,0 Prozent zum Juli 2012 und einen Einbruch von über fünf Prozent seit Jahresbeginn fest.
Dass die beiden Portale, deren Indizes auf der Auswertung hunderttausender Angebote basieren, so weit auseinandergehen, ist ungewöhnlich. Bei Mobile.de heißt es dazu, der Anteil der jungen Gebrauchten sei in den meisten Segmenten gestiegen. Da die jungen Autos teurer als ältere sind, trägt dies zu einem höheren Durchschnittspreis bei. Bei Autoscout24 dagegen geht man davon aus, dass junge Gebrauchte kein ausreichendes Gewicht haben, um den Index nach oben zu ziehen. Es könnte aber eine Rolle spielen, dass Mobile. de nur Autos bis zehn Jahre und 200.000 Kilometer berücksichtigt, Autoscout24 dagegen auch ältere.Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) ermittelt dagegen bei den Restwerten in praktisch allen Segmenten sinkende Werte seit Jahresbeginn. Einzige Ausnahme sind die SUVs, die auf diese Weise im Juli die Kleinwagen als wertstabilstes Segment verdrängten. „Wegen der großen Beliebtheit dieser Fahrzeuge wächst dieses Segment sogar noch im Vergleich zu den anderen Segmenten“, sagte Siegfried Trede von der DAT. Besonders schlecht entwickelten sich dagegen Mittelklasse und obere Mittelklasse.Rauf und Runter bei den Gebrauchten
Trotz gestiegener Ummeldungszahlen auf dem deutschen Markt bietet sich beim Betrachten der Gebrauchtwagen-Preisentwicklung seit Jahresbeginn ein ausgesprochen uneinheitliches Bild.
Instabiler Gebrauchtwagenmarkt
„Der Gebrauchtwagenmarkt ist nicht schlecht, aber instabil“, sagt Ansgar Klein vom Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK). Auch bei den Rückmeldungen der eigenen Mitglieder zeige sich keine durchgängige Linie. „Selbst die, die heute sagen, es ist gut, sagen vielleicht in vier Wochen, es ist schlecht.“ Starke Auswirkungen der hohen Eigen- und Kurzzulassungen der jüngeren Vergangenheit sieht er dagegen nicht. „Der normale Gebrauchtwagenhändler arbeitet im Endkundengeschäft mit zwei bis fünf Jahre alten Autos“, betont Klein. Sein Geschäft werde daher von Eigenund Kurzzulassungen wenig beeinflusst.
Bei Autoscout24 schätzt man dies anders ein: Die „Überproduktion an Neuwagen“ führe dazu, dass „die hohen Preisnachlässe bei den Neuwagen auch auf die Gebrauchten drücken“, sagt Geschäftsführer André Stark. Einigkeit herrscht allerdings, wenn es um die Einschätzung der Preisentwicklung im Rest des Jahres geht: Sowohl Mobile.de als auch BVfK-Chef Klein erwarten stabile Preise. Bei Autoscout24 geht man ebenfalls von einem ähnlichen Niveau wie im ersten Halbjahr aus – allerdings bezogen auf das Volumen.