Ludwigsburg. Bislang wurden Ansätze verfolgt, die den aktuellen Zustand des Liefernetzwerks bis in seine Verästelungen erfassen und Probleme sofort sichtbar machen sollten. Mit dem „Lieferantenperformancemonitor“ blickt BorgWarner Beru Systems dagegen in die Zukunft. Mit Methoden der künstlichen Intelligenz und der Wahrscheinlichkeitstheorie wird auf Basis der Soll- und Ist-Lieferdaten sowie Finanzinformationen errechnet, wie hoch das Risiko von Lieferproblemen ist. In den Bereichen „Bestandsoptimierung und Lieferantenperformance erzielen wir mit dem LPM signifikante Verbesserungen, bisweilen sogar im zweistelligen Prozentbereich“, erläutert Holger Kiebel, Vice President Supply Chain bei BorgWarner Beru Systems. Testläufe mit dem System begannen 2011. Die Version 3.0, die BorgWarner seit 2012 einsetzt, wurde mit dem VDA Logistik Award 2013 ausgezeichnet.
Probleme im Keim erstickt
Das mathematische Herz des Systems stellt das sogenannte Hidden-Markov-Modell dar, das beispielsweise auch beim Google- Seitenranking verwendet wird. Dabei wird aus äußerlich sichtbaren Symptomen auf den inneren Zustand der Lieferanten geschlossen. Automatisch ausgewertet werden dazu unter anderem Daten zu Bestellungen, Lieferungen und Storni sowie Stamm-, Finanz- und Qualitätsdaten. So lassen sich BorgWarner zufolge gut 60 Prozent der Ausfallrisiken frühzeitig identifizieren, nämlich alle, die auf systematische Ursachen zurückgehen. Dazu zählen etwa ein Blackout der IT, die Störung der Transportwege, der Ausfall von Dienstleistern und der Verlust von Mitarbeitern sowie Probleme bei der Produktqualität. Entdeckt werden auch die Risiken, die in tieferen Stufen der Lieferkette verborgen liegen. Nicht erfassen lassen sich extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche, die für knapp 40 Prozent der Ausfallrisiken stehen. In Einzelfällen, so sagt Kiebel, weiß BorgWarner Beru Systems dank des LPM mehr über den Zustand eines Zulieferer als dieser selbst. Kiebel: „Sobald wir ein Problem erkennen, setzen wir uns umgehend mit dem betroffenen Lieferanten in Verbindung. Gemeinsam suchen wir dann nach einer Lösung.“ Dank der frühen Warnungen bleibe meist ausreichend Zeit zum Gegensteuern. Konzipiert wurde der „Lieferantenperformancemonitor“ zwar speziell für die Bedürfnisse von BorgWarner. „Über unseren Entwicklungspartner Melzerpartners ist das Tool jedoch auch für andere Zulieferer und OEMs zugänglich“, erklärt Kiebel.