Stuttgart/Wolfsburg. Die Pläne des Sportwagenbauers Porsche, als Eigner von rund 20 Prozent der Stammaktien bei der Volkswagen AG einzusteigen, gehen über eine Kapitalbeteiligung weit hinaus. Wie Automobilwoche aus Kreisen des Managements erfuhr, erwägt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Rohbau und Lackierung des für 2009 avisierten Nobelcoupés "Panamera" an den VW-Konzern zu vergeben. Nach ähnlichem Muster lässt Porsche seit 2002 bereits die SUV-Reihe Cayenne in der slowakischen VW-Fabrik Bratislava herstellen -- gemeinsam mit dem VW-Geländewagen Touareg. Die besten Chancen auf den Zuschlag hat das VW-Stammwerk Wolfsburg.
Zwar kündigte Wiedeking an, "den Panamera in Eigenregie auf die Strasse" zu bringen. Für die vierte Baureihe wolle Porsche eine eigene Plattform entwickeln und nicht mit einem anderen Automobilhersteller kooperieren. Um die Profitabilität des Coupé-Projekts zu sichern, werde man "aber enger als bisher mit ausgewählten Systemlieferanten zusammenarbeiten".
Dies, so ein Insider aus dem Umfeld von VW-Chef Bernd Pischetsrieder, "schliesst ja keineswegs aus, dass wir mit Porsche auch beim Panamera ins Geschäft kommen". Ein Mitglied des VW-Aufsichtsrats bestätigte entsprechende Überlegungen: "Wir haben uns im Gremium zwar noch nicht offiziell damit befasst, aber VW würde Rohbau und Lackierung der neuen Porsche-Reihe gern übernehmen."
Die Vergabe entsprechender Auftragsumfänge nach Wolfsburg würde VW helfen, ungenutzte Kapazitäten auszulasten. Zwar gilt Wolfsburg VW-intern als teuerster Produktionsstandort. Doch könnte man "mit einer besonders günstigen Kalkulation für die Auftragsfertigung Porsche weit entgegenkommen", so ein Topmanager, "denn brachliegende Kapazitäten kämen uns viel teurer zu stehen". Porsche wiederum würde profitieren, da die Schwaben die aufwändige Investition in neue Rohbau- und Lackieranlagen scheuen. Die Endmontage des viertürigen Panamera will Porsche am Standort Leipzig durchführen, wo auch der Cayenne komplettiert wird. Wichtige Genehmigungsverfahren für eine Werkserweiterung sind abgeschlossen.
Für eine Panamera-Kooperation kommen nach Ansicht eines VW-Projektentwicklers auch die VW-Werke Mosel und Setubal (Portugal) in Betracht: "Klappt der Deal, wird sich der Betriebsrat aber massiv für Wolfsburg einsetzen."
Die VW-Spitze will die Konsequenzen des Porsche-Einstiegs am heutigen Montag in einer Sondersitzung ausloten. Auch die Zukunft von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll erörtert werden.