Stuttgart/Wolfsburg. Nach dem Einstieg von Porsche als Großaktionär bei VW drängt der Sportwagenhersteller auf mehr Tempo bei gemeinsamen Projekten. Damit bestätigt sich die Befürchtung vieler VW-Teilhaber, dass Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, seit 2006 Mitglied des VW-Aufsichtsrats, auf interne Planungen verstärkt Einfluss nehmen will.
Vor der außerordentlichen Porsche-Hauptversammlung am 26. Juni bahnt sich ein Streit über die Einführung der nächsten Generation von Porsche Cayenne und VW Touareg an. Die schweren Geländewagen werden erneut in enger Kooperation entwickelt.
Nach Informationen aus beiden Unternehmen will Porsche den neuen Cayenne bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2010 anlaufen lassen. Bei VW hingegen ist der Start des Touareg II erst für Ende 2010 geplant. VW sieht sich dadurch benachteiligt: "Eine deutlich längere Laufzeit des aktuellen Touareg im Vergleich zum Cayenne gefällt uns gar nicht", räumte ein hochrangiger VW-Manager gegenüber Automobilwoche ein, "immerhin stehen die Autos miteinander im Wettbewerb." Daher schwant bei Porsche einer Führungskraft bereits Unheil: "Wenn wir uns auf Ebene der Arbeitskreise nicht einigen können, werden sich die Vorstandschefs zusammenraufen müssen." Die erste Generation der im slowakischen Bratislava und in Leipzig gebauten SUVs hatten VW und Porsche Ende 2002 noch nahezu zeitgleich auf den Markt gebracht.
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mahnt beim Cayenne II zur Eile, da er wegen steigender Benzinpreise vor allem auf dem wichtigen US-Markt einen Nachfragerückgang für die durstigen SUVs befürchtet. Überdies haben die Porsche-Entwickler in Weissach, so ein Insider, "mit der Einhaltung des Zeitplans für die Hybrid-Einführung zu kämpfen". Auch die Gemeinschaftsentwicklung von Elektronikarchitekturen kommt Porsche nicht schnell genug voran.
VW-Chef Martin Winterkorn kann etwas gelassener agieren, da der Touareg mit verbrauchsarmen Dieselmotoren zu haben ist und das auf der gleichen Plattform basierende Erfolgsmodell Audi Q7 erst mit dem Modelljahr 2013 zur Ablösung ansteht.