Karlsruhe. Wehrtechnik, Konsumgütervertrieb, Reifenproduktion -- als "Manager, der immer offen war für Neues", kennt Wittigo von Rabenau die verschiedensten Branchen aus eigenem Erleben. Und jetzt, als Personaldirektor der Michelin Reifenwerke, fügt er mit seinem Team positive Erfahrungen und bewährte Instrumente aus dem Bereich Human Resources zu einem ganzheitlichen Konzept: "Work-Life-Balance" heisst der Ansatz in der Personalführung. Das vorrangige Ziel ist die möglichst friktionsfreie Verbindung von Firmenzielen und den persönlichen Interessen sämtlicher Mitarbeiter.
Personalarbeit mit neuem Profil
"Michelin möchte ein familienfreundliches Unternehmen sein", sagt Martina Börsig, in der Karlsruher Deutschland-Zentrale des französischen Reifenkonzerns zuständig für "Diversity", die Förderung von menschlicher und kultureller Vielfalt. "Mit einem internen Strategie-Workshop haben wir daher zunächst ermittelt, wie die Menschen in unserem Hause Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit für sich definieren."
Im Rahmen des nachfolgenden Auditierungs-Workshops, bei dem vom gewerblichen Mitarbeiter bis hin zum Werksleiter ein "repräsentativer Querschnitt" (von Rabenau) vertreten war, konnten die Personalexperten dann "Prioritäten setzen und erste Massnahmen in die Wege leiten" (Börsig).
So hat Michelin mit einem externen Dienstleister inzwischen einen Rahmenvertrag rund um den so genannten Familienservice geschlossen. Die Agentur ist spezialisiert auf massgeschneiderte Modelle für die Kinderbetreuung während der Arbeitszeit sowie auf "Elder Care", also Altenbetreuung. "Immer mehr Arbeitnehmer stellt die Pflege ihrer Eltern oder älterer Verwandter vor grosse Probleme", weiss Martina Börsig. "Da kommt unser Angebot oft gerade recht." Alle Kosten für die Vermittlung individueller Hilfestellungen zahlt Michelin -- für das erste Jahr ist ein Budget von 20.000 Euro vorgesehen. "Mit Luft nach oben", kündigt von Rabenau an. Die Rechnung für die Nachwuchs- oder Altenbetreuung selbst tragen die Beschäftigten.
Zur Runderneuerung der Personalarbeit bei Michelin zählen überdies der umfassende "Ratgeber für werdende Eltern" im Intranet und ein Vorbereitungs-Service für Expatriates, die im Rahmen einer Versetzung ins Ausland ziehen. "Work-Life-Balance steigert die Attraktivität von Michelin als Arbeitgeber", freut sich von Rabenau. "Viele Bewerber fragen gezielt danach."