Frankfurt/Main. Toyota braucht in Europa voraussichtlich schon in wenigen Jahren ein neues Werk: Anhaltendes Wachstum über 2010 hinaus vorausgesetzt, würde "zusätzliche Kapazitäten erfordern", sagt Shinichi Sasaki, CEO von Toyota Motor Europe (TME). "Wenn das nötig ist, können wir innerhalb von drei Jahren eine Entscheidung treffen und ein Werk bauen", erklärt Sasaki. Damit bestätigt Sasaki teilweise einen Bericht der Automobilwoche, wonach Toyota ein neues Werk in Europa erwägt und dabei einen Standort in Deutschland nicht ausschliesst.
Offene Standort-Frage
Schon im kommenden Jahr will Toyota in Europa mehr als eine Million Fahrzeuge verkaufen, für 2010 sind dann 1,2 Millionen Neuzulassungen anvisiert -- Lexus nicht mit eingerechnet. Dieses Jahr werden in den Toyota-Werken in England, Frankreich, der Türkei, der Slowakei, Polen und Portugal über 800.000 Autos gebaut. "Das entspricht bereits fast 70 Prozent unseres europäischen Verkaufsziels für 2010", so Sasaki.
Ein Viertel der Zulieferer für die europäischen Produktionsstätten kommt aus Deutschland. Deren Produkte kosten die Japaner jedes Jahr rund eine Milliarde Euro. Sasaki erklärt weiter, dass der für in vier Jahren angestrebte Neuwagen-Absatz mit Toyota-Fahrzeugen aus europäischer Produktion erreicht werden könne. So entsteht derzeit eine Fertigung in Sankt Petersburg, in der ab 2007 künftig 50.000 Autos pro Jahr gebaut werden sollen. Mit Lexus streben die Japaner laut Informationen aus Unternehmenskreisen 2015 einen Absatz von 100.000 Fahrzeugen an -- eine Zahl, die Sasaki nicht kommentieren will.
Derzeit ist der Lexus RX das einzige Modell des Luxus-Labels, das ausserhalb Japans hergestellt wird. Da Toyota das grösste Potenzial für das SUV in Nordamerika sah, läuft der RX auch in einem kanadischen Werk vom Band. "Wir produzieren immer dort, wo wir den grössten Bedarf erkennen", erklärt Piet Steel, TME-Vizepräsident.
Um in Europa und speziell in Deutschland mehr Lexus-Modelle absetzen zu können, bedarf es einer Änderung der Ausstattungs-Politik. Die heutige Modellpalette lässt nur wenig Individualisierungsspielraum zu. Gerade im Luxus-Segment, in dem sich das ab Herbst erhältliche Topmodell LS 460 bewegt, schätzt die Klientel eine umfangreiche Auswahl an Lack- und Polsterfarben. "Es ist noch nicht darüber entschieden, in welcher Konfiguration der LS zu uns kommt", sagt Lothar Feuser, Geschäftsführer von Toyota Deutschland. "Wir hätten schon gerne mehr Individualisierungsmöglichkeiten und versuchen das japanische Management davon zu überzeugen", so Feuser weiter.
Da ein grösseres Sonderausstattungsangebot die Lieferzeiten der Autos aus Japan erheblich verlängern dürfte, wäre mittelfristig eine europäische Lexus-Produktion vonnöten. Mit dem IS 220d hat Lexus nun immerhin den ersten Wagen mit Dieselmotor im Programm -- jedoch ohne Automatikgetriebe.