Phoenix. Das 2007 gegründete Unternehmen bietet zunächst eine virtuelle Entwicklungsplattform. „Jeder kann bei uns ein Projekt anstoßen, und jeder kann online daran mitarbeiten“, erläutert Rogers. Danach stellt Local Motors eine Werkstatt für den Bau der Prototypen und eine sogenannte Micro- Factory für die Produktion. Finanziert werden die Projekte über Anteile der Mitstreiter, bezahlt wird die Community aus den Verkaufserlösen. Die ersten Projekte sind erfolgreich abgeschlossen: Das elektrische Drift-Dreirad Verrado ist fertig entwickelt. Und von dem für Wüstenrennen konstruierten Rally Fighter wurden bereits mehr als 50 Exemplare verkauft. Damit hat Rogers auch die etablierten Hersteller neugierig gemacht und BMW als Partner gewonnen: „Wir haben gemeinsam einen Wettbewerb für die Urban Driving Experience ausgeschrieben“, sagt Entwicklungsvorstand Herbert Diess. „Eine Community von über 30.000 Designern, Ingenieuren, Herstellern und Enthusiasten war dabei aufgefordert, sich Gedanken über Features und Funktionen für ein nachhaltiges Premiumfahrzeug im Jahr 2025 zu machen und hat uns damit wertvolle Anregungen geliefert.“ Diess attestiert Local Motors einen neuen, ganz anderen Entwicklungsansatz, der sich zwar nicht von der Nische auf die Großserie übertragen lasse. „Doch gibt es dabei trotzdem spannende Aspekte und sogar einige Parallelen“, sagt der Entwicklungsvorstand mit Blick auf die konsequente Ausrichtung am Kunden, die hier wie dort im Mittelpunkt stehe.
Local Motors bringt Kleinserienproduktion ins Internet-Zeitalter
Nur 100 Mitarbeiter – aber 40.000 Entwickler und Designer
Wenn die großen Automobilhersteller über einen Mangel an Ingenieurnachwuchs klagen, kann John Rogers nur lachen: Der Chef des US-Unternehmens Local Motors hat zwar nicht einmal 100 fest angestellte Mitarbeiter. Doch arbeiten für ihn fast 40.000 Entwickler. Denn Local Motors versteht sich als erster Kleinserienspezialist des Internet-Zeitalters und nutzt so konsequent wie sonst nur Software-Unternehmen die Möglichkeiten einer neuen Zeit. Open Source Engineering und Crowdfunding heißen die Schlagwörter, mit denen Rogers herkömmliche Nischenanbieter und Entwicklungsdienstleister überholen möchte.