Nosovice. Die aktuellen Hyundai-Modelle nehmen nicht nur im Entwicklungs- und Designzentrum Rüsselsheim konkrete Formen an, sie werden meist auch hier auf dem Kontinent gebaut. Mit steigender Tendenz: Schon jetzt laufen in Nošovice i30, ix20 und ix35 vom Band. Wenn zur Weltpremiere auf der IAA im September die Produktion des neuen i10 von Indien in die Türkei wechselt, wo schon der i20 gebaut wird, bestreitet Hyundai über 90 Prozent seiner EU-Verkäufe aus regionaler Produktion. Dieser Anteil ist selbst bei angestammten europäischen Herstellern mitunter geringer. Das Engagement in Tschechien hat sich Hyundai einiges kosten lassen: „Insgesamt haben wir hier seit 2008 rund 1,2 Milliarden Euro investiert“, sagt Petr Vanek aus dem Standort-Management. „Das macht die Fabrik zum größten ausländischen Investment-Projekt im Land.“ Davon profitiert aber nicht zuletzt das Land selbst, das dank Hyundai und des lokalen Platzhirschen Škoda bezogen auf die Einwohnerzahl weltweit die zweitgrößte Nation von Autobauern ist. Im Werk wurden rund 3400 und bei Zulieferern im direkten Umfeld der Produktion noch einmal etwa 7000 Stellen geschaffen und zu 96 Prozent mit Tschechen besetzt, sagt Vanek. Die Fabrik macht im Jahr 3,2 Milliarden Euro Umsatz und kauft für 1,3 Milliarden bei europäischen Zulieferern ein, von denen drei in unmittelbarer Nachbarschaft des Werks und 15 weitere in Tschechien sitzen. Löhne und Gehälter für Werksangestellte summieren sich auf fast 50 Millionen Euro im Jahr.
Seit 2008 hat Hyundai die Kapazität schrittweise deutlich erhöht: Wurden im ersten Jahr noch 15.500 Autos gebaut, waren es 2010 schon 200.000 und im vergangenen Jahr dann 300.000 Autos. Das macht 1300 Autos am Tag oder 60 in der Stunde. Davon bleibt nur ein Bruchteil im Land. „Über 90 Prozent gehen in den Export“, so Vanek. Die meisten Fahrzeuge aus Nošovice gehen nach Deutschland, danach stehen Russland und Großbritannien auf der Liste. Selbst Australien und Südafrika werden aus Tschechien beliefert. Sollte der Absatz weiter anziehen, könnten die Koreaner das von Nošovice aus leicht leisten: Bis auf 66 Fahrzeuge pro Stunde lasse sich der Ausstoß steigern. „Danach müssten wir anbauen“, sagt Rushforth. „Platz dafür haben wir genug, aber geplant ist das im Augenblick nicht.“ „Viele neue Jobs im Werk und bei den Zulieferern und eine hohe lokale Wertschöpfung – das ändert auch die Wahrnehmung Hyundais in der Bevölkerung und hat uns bei den Zulassungen sehr geholfen“, sagt Rushforth. Vor zehn Jahren kam Škoda in Tschechien auf einen Marktanteil von 49 und Hyundai auf drei Prozent. Heute sind es 29 und knapp zehn Prozent. In den Privatverkäufen liege Hyundai sogar vor Škoda. Rushforth erfüllt dies mit Stolz: „Für die Tschechen sind wir keine Marke aus Korea mehr, sondern eine von hier.“In Noovice sind wir Europäer geworden
Hyundai hat vor einigen Wochen das einmillionste Auto im Werk Nošovice produziert. Das macht die 2008 in Tschechien eröffnete Fabrik für Europa- Chef Allan Rushforth zum Zentrum des europäischen Engagements und zum Wachstumsmotor der Koreaner auf diesem Kontinent. „Hier in Nošovice sind wir vollends zu Europäern geworden“, sagt Rushforth.