Schanghai. Die sechste Generation des VW-Bestsellers Golf kommt voraussichtlich später als geplant. "Das aktuelle Modell läuft so gut, dass wir da keinerlei Zeitdruck verspüren", sagte VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg der Automobilwoche am Rande der Shanghai Motor Show, ohne einen Erscheinungstermin für die sechste Golf-Baureihe zu nennen.
Das ausgeschiedene VW-Führungsduo Pischetsrieder/Bernhard hatte den Golf VI um über ein Jahr auf das Frühjahr 2008 vorgezogen, um mit dem neuen Modell die Produktionskosten zu senken. Der neue VW-Chef Martin Winterkorn will jedoch noch zahlreiche Detailänderungen bis hin zum Design vornehmen. Das Auto sehe nicht aus wie ein Golf, kritisierte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Nun dürfte der Golf VI erst später im Jahr erscheinen.
Hackenberg kündigte an, dass der nächste Golf mit einer neuen, sparsamen und leistungsstarken Motorengeneration (Code EA888) erscheint: Schon in der 1,8-Liter-Version soll der turbogeladene Benzin-Direkteinspritzer "mehr als 160 PS" leisten und über ein "üppiges Drehmoment" verfügen. Die Zwei-Liter-Ausführung wird mehr als 200 PS bieten. "Trotz der deutlichen Leistungssteigerungen", so Hackenberg, werden die vergleichsweise kleinen Motoren "signifikant niedrigere Verbrauchswerte haben als bisher". Auch eine BlueMotion-Variante mit verbrauchsgünstigem und emissionsarmem Dieselmotor stellte Hackenberg für die nächste Golf-Generation in Aussicht. "Damit der Fahrspaß nicht zu kurz kommt, werden die Verbesserungen beim Verbrauch aber nicht zulasten der Performance gehen."
Für das vom VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch jüngst angeregte Ein-Liter-Auto sieht Hackenberg "vielversprechende Realisierungschancen". Der neue Kleinwagen mit einem Kraftstoffverbrauch von lediglich einem Liter auf 100 Kilometer müsse jedoch "erheblich kostengünstiger" herzustellen sein als das frühere Konzeptfahrzeug. Dennoch ist, so Hackenberg, die Produktion des Ein-Liter-VW "am Standort Deutschland zweifellos gut denkbar", da hier unter anderem die Verfügbarkeit von Leichtbau-Experten und der Zugriff auf Hightech-Materialien rundum gewährleistet sei.