Innsbruck. Dieter Weidemann ist erleichtert. Eine Woche lang führte der Audi-Ingenieur Fachjournalisten aus aller Welt sein neuestes Kind vor. Immer wieder hörte er, man spüre gar nichts von dem System, in das er fünf Jahre Arbeit investiert hat. Sein Ziel ist damit erreicht. Weidemann gilt als "Mister Quattro" und trägt die Verantwortung für eine Technologie, die zum Markenkern der Ingolstädter gehört.
Seit 1980 hat Audi mehr als sieben Millionen Fahrzeuge mit Quattro-Antrieb verkauft, derzeit sind rund 40 Prozent aller ausgelieferten Fahrzeuge mit Vierradantrieb ausgestattet. Doch dieser Markterfolg hat eine Schattenseite: Ein permanenter Allradantrieb führt zu höherem Verbrauch, der mindestens 0,3 Liter auf 100 Kilometer beträgt. Das passt nicht recht in eine Umweltstrategie, in der um jedes Gramm Kohlendioxid gerungen wird.
Weidemann erhielt daher eine delikate Aufgabe: Er sollte erstmals in der Audi-Geschichte einen abschaltbaren Allradantrieb entwickeln. Dem Team, das an dem intern als "quattro ultra" bezeichneten Projekt arbeitete, war von Anfang an klar: Soll der Markenkern nicht beschädigt werden, muss ein solcher "Hang-on"-Allrad stets zur Stelle sein, wenn ein Kunde ihn benötigt.
Die Lösung: eine Regelung, die darauf basiert, dass ein Steuergerät permanent Radlast und Haftgrenze des kurveninneren Rads überwacht, solange das Fahrzeug allein mit Frontantrieb fährt. Dafür kommen keine physikalischen Sensoren zum Einsatz, sondern ein mathematisches Modell des Fahrzeugs, das unter anderem Beladung, Motorleistung und Getriebeschaltung berücksichtigt. Die Straßenbedingungen, vor allem Steigung und Glätte, werden fortlaufend beim Beschleunigen und Verzögern ermittelt.