Herr Walther, der Aufbau neuer Fabriken in fernen Ländern und der Trend zu individuell ausgestatteten Fahrzeugen stellen die Logistikteams der Autounternehmen vor große Herausforderungen. Wie lässt sich das wachsende Arbeitspensum meistern?
Die Logistik wird in der Fahrzeugindustrie tatsächlich immer wichtiger - aber eben auch komplexer und zunehmend international. Harter Wettbewerb findet längst nicht mehr nur auf etablierten Absatzmärkten der Triade statt, sondern immer stärker in Wachstumsregionen rund um die Welt und entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dies bedingt zum Teil dramatische Änderungen - im Umgang mit lokalen Transportlösungen als auch bei globalen Zulieferstrategien. Und vor allem im Hinblick auf eine noch bessere Qualifikation der Mitarbeiter.
Wozu raten Sie bei der Aus- und Weiterbildung denn konkret?
Neben ihren rein fachlichen Fähigkeiten, ob nun im Einkauf, in der Materialwirtschaft oder bei der Verschiffung von Neuwagen, werden viele Logistikexperten ihre soziale Kompetenz stärken müssen. Netzwerke gewinnen an Bedeutung, ein gut funktionierendes Supply-Chain-Management ist ohne die Verknüpfung entsprechend fähiger Teammitglieder nicht denkbar. Somit wird Kompetenz für globale Netzwerke unverzichtbar.
Bei der Suche nach geeigneten Ingenieuren in ausreichender Zahl tun sich gerade kleinere Zulieferer und SCM-Dienstleister allerdings heute schon schwer.
Kein Zweifel, der Mangel an Fachkräften ist vielfach ein Problem. Gerade im Zuge der Globalisierung bietet Supply-Chain-Management jedoch immer interessantere Einsatzmöglichkeiten und Aufstiegsperspektiven. Für junge Menschen ist die Beschäftigung mit Logistik nicht öde. Im Gegenteil, sie wird reizvoller.
Der steigende Kostendruck belastet das Verhältnis von OEMs und Zulieferern seit Jahren. Können optimierte Logistikabläufe hier zur Entspannung beitragen?
Und ob. Modularisierung und Standardisierung bieten eine Reihe erheblicher Verbesserungspotenziale. So kann die Übernahme von Aufgaben in der Vormontage durch Zulieferer die Supply Chains verkürzen und gleichzeitig Beschäftigung sichern. Auch die weitere Vereinheitlichung verschiedener Glieder der Lieferketten in der Automobilbranche kann Win-win-Situationen schaffen.
Ist im Sektor Automotive Toyota auch bei der Logistik führend?
Die Japaner sind sicher ganz vorn dabei. Gerade beim Verhältnis zu den Zulieferern sowie im Umgang mit den Menschen in- und extern.
Taugen auch Vorbilder aus anderen Industrie- und Handelszweigen als Logistik-Benchmark?
Ja. Rund um prozessorientierte Logistik haben etwa einige Großhandelsketten recht pfiffige Lösungen zu bieten. Da kann der Blick über den Tellerrand lohnen.