Wien. Heinz-Jakob Neußer, Entwicklungschef von Volkswagen, bestätigte in Wien, dass der elektrische Turbolader auch für die Stammmarke VW eine Option ist. Man arbeite daran, einen TDI-Motor mit einer spezifischen Leistung von 100 Kilowatt pro Liter Hubraum zu realisieren. Allerdings prüft Volkswagen noch, ob der elektrische Lader zwangsläufig mit der Einführung eines 48-Volt- Teilbordnetzes verknüpft werden muss. Auch die Verwendung in einem klassischen 12-Volt-Bordnetz sei eine Option. Zur Premiere des neuen Passat im Herbst kommt vorerst eine Biturbo- Version des Zweiliter-TDIMotors der Baureihe EA288 zum Einsatz. Die zweistufige Abgasturboaufladung sorgt für eine Nennleistung von 176 Kilowatt, also eine spezifische Leistung von 88 Kilowatt pro Liter. Das maximale Drehmoment beträgt 500 Newtonmeter. Auch bei Ottomotoren stellt die Steigerung der spezifischen Leistung ein wichtiges Entwicklungsziel für Volkswagen dar, so Neußer. Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit seien wichtig. „Aber das ist alles nicht genug, wir müssen dem Kunden auch Fahrspaß bieten.“ Beispielhaft nannte Neußer den Zweilitermotor mit 294 Kilowatt aus dem Golf R400. Die 150 Kilowatt pro Liter Hubraum seien nicht das Ende der Fahnenstange: „Wir bewegen uns auf 200 Kilowatt pro Liter zu.“ Trotz der hohen Leistungsdichte heutiger Drei- und Vierzylindermotoren soll es bei VW auch künftig Motoren mit höheren Zylinderzahlen geben. In Anwesenheit von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sagte Neußer: „Wir haben im Konzern einen sehr emotionalen Fünfzylindermotor, der auf 500 PS und mehr gesteigert werden kann. Diesem Thema widmen wir uns intensiv.“ Piëch hatte den Fünfzylindermotor einst bei Audi in Serie gebracht. Überraschend sagte Neusser zudem, dass weiterhin an Hochdrehzahl- Konzepten für Pkw-Motoren gearbeitet wird. Seit Aufkommen der Turbomotoren waren hohe Drehzahlen als Mittel zur Leistungssteigerung aus der Mode gekommen. Doch künftig wolle man sportliche Motoren anbieten, die Drehzahlen von mindestens 10.000 pro Minute erreichen. Mit den neuen Möglichkeiten, die Leistung zu steigern, stellt sich auch die Frage nach einem Zweizylinder wieder, gibt Neußer zu. Allerdings sei der Komfort nach wie vor „eine große Herausforderung“. Auch bei Volkswagen hat Downsizing Grenzen.
Wiener Motorensymposium
Nachhaltig ist nicht genug
Volkswagen und Audi wollen die spezifische Leistung ihrer Motoren künftig weiter steigern. So wird Audi im Sommer das erste Fahrzeug mit elektrischem Turbolader vorstellen, wie Audi-Chef Rupert Stadler auf dem Wiener Motorensymposium ankündigte. Der E-Lader soll den konventionellen Abgasturbolader kurzeitig unterstützen und so „einen deutlichen Beschleunigungsvorteil“ bringen. Gefüttert wird der Lader mit rekuperierter Bremsenergie aus einem 48-Volt-Bordnetz, das Audi damit als erster Autobauer in Serie bringt. Um welches Fahrzeug es sich handelt, wollte Stadler nicht preisgeben, er sprach lediglich von einem „High-Performance-Car“.