Der Pkw-Weltmarkt wächst auch 2013 – auf über 70 Millionen Autos. Doch an der schwierigen Situation in Westeuropa wird sich kaum etwas grundlegend ändern. Wer mehr als 20 Prozent seines Einkommens schuldenkrisenbedingt – wie in einigen Ländern Südeuropas – verloren hat, stellt Urlaub und Autokauf zurück. Mittelfristig baut sich allerdings in Europa ein Nachholbedarf auf. Noch weiß niemand, ob sich der Knoten im nächsten Jahr oder erst 2015 löst. Vieles hängt davon ab, ob in wichtigen EU-Ländern die Restrukturierung der Staatsfinanzen und eine Stabilisierung des Arbeitsmarkts gelingen. Wir Deutschen haben allerdings 2012 in Westeuropa unseren Marktanteil auf gut 50 Prozent gesteigert.
"Mittelfristig baut sich in Europa ein Nachholbedarf auf"
Nein, eindeutig nicht. Wir brauchen starke Partner, schon um in Brüssel für vernünftige Rahmenbedingungen zu sorgen. Ich denke an Handelspolitik und CO2-Regeln.
Ich bin für Freihandel. Aber ich war gegen ein Abkommen, das den Koreanern Vorteile einräumt, die wir Europäer nicht in Anspruch nehmen können, etwa besondere Zollrückerstattungsregeln. Echter Freihandel heißt echte Öffnung der Märkte auf wirklich beiden Seiten. Wir hätten in Asien zuerst mit den ASEAN-Ländern verhandeln sollen.
Da bohrt die EU ein dickes Brett. Übrigens haben die Inder einen automobilen Exportüberschuss mit Europa. Sie könnten sich eine Öffnung der Märkte erlauben und sollten einer Zollsenkung auf Null als Langfristziel zustimmen.
Die Automobilindustrie hat viel gelernt, wie und welche umweltpolitischen Herausforderungen zu meistern sind. Wir haben entsprechende technische Lösungen bereitgestellt – mit weniger Verbrauch und weniger CO2. Wir können umgekehrt erwarten, dass die Grünen noch stärker lernen, welche Bedingungen für den Industriestandort Deutschland und Europa wichtig sind. Das ist ein längerer Prozess.
Wir erwarten rund 600.000 Fahrzeuge der verschiedensten Antriebskonfigurationen. Ich war immer ein Skeptiker des übertriebenen Elektro-Hypes. Auch klassische Verbrennungsmotoren werden ja optimiert. Inzwischen müssen wir aufpassen, dass die Chancen der Elektromobilität nicht kleingeredet werden.
So ist es. Daher werben wir in Europa ja auch für Supercredits bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Supercredits sind ökologisch richtig. Und sie unterstützen neue Antriebsarten, die sich kurzfristig unter rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten noch nicht vollständig rechnen.
Dieses Thema ist mit Vorurteilen überladen. Viele glauben, Firmenwagen seien meist oberste Premiumklasse. Der weit überwiegende Teil stammt aus der Kompakt- und Mittelklasse und wird von Pflegediensten, Handelsvertretern oder Außendienstlern genutzt. Hier stehen einige Hunderttausend Autos auf dem Spiel. Eine Gefährdung des Firmenwagenmarkts, an dem die deutschen Marken den höchsten Anteil haben, ginge voll zu Lasten der heimischen Anbieter und ihrer Arbeitsplätze.
Wir müssen Sicherheit und Umweltschutz gewährleisten. Wir werben für ein Moratorium, damit jene Unternehmen, die das beantragen, vorerst mit dem bisherigen Mittel weiterfahren können. So gewinnen wir wertvolle Zeit für optimale Lösungen.