Ostheim. Dabei deuten die lokalen Bedingungen auf den ersten Blick nicht gerade auf große Nachfrage hin: Streits Betrieb steht in einem 3400-Einwohner-Städtchen am Rand der Rhön, 18 Kilometer entfernt von der nächsten Kreisstadt. Dass es ihm dennoch gelingt, hier pro Jahr 300 Neuwagen zu verkaufen, dafür sorgt laut Streit das Länderdreieck Bayern-Thüringen- Hessen: „Durch die unterschiedlichen Ferienzeiten haben wir eine gleichbleibendere Auslastung.“
Mit Tankstelle und gutem Namen
Gerade aus Thüringen kämen viele Kunden. Das hat historische Gründe, wie Streit erklärt: „Ostheim gehörte bis 1945 zu Thüringen. Dadurch gibt es da noch alte Verbindungen.“ Auch ein erheblicher Teil seiner Mitarbeiter kommt aus dem Bundesland. Und die Marke Seat passe eben gut zu den Kunden der Region. Probleme mit markeninterner Konkurrenz hat Streit nicht. Er ist nach eigener Einschätzung der einzige namhafte Seat-Partner in einem Umkreis von 40 bis 50 Kilometern. Einen möglichen Kostenvorteil durch seine ländliche Lage will der Seat-Partner allerdings nicht gelten lassen. Zum einen sei Unterfranken gar nicht besonders billig. Zum anderen müsse man „relativ gut bezahlen, um die Leute von Schweinfurt wegzuhalten“. Zur Industriestadt, die mit Arbeitsplätzen unter anderem in der Zulieferindustrie lockt, sind es mit dem Auto nur 45 Minuten. Die Lage des Betriebs in Ostheim selbst trägt auch zum Erfolg des Autohauses bei. Denn eine Umgehungsstraße gibt es hier nicht, und so führt die Ortsdurchfahrt, die auch Bundesstraße ist, viele Kunden direkt zum Seat-Betrieb. Dass zum Autohaus auch eine Tankstelle gehört, tut ein Übriges, Autofahrer auf das Gelände zu locken. Eigentlich sei immer etwas los, sagt Streit, der als Chef selbst im Verkaufsraum steht und den Kunden die neusten Modelle präsentiert. 50 bis 60 Stunden pro Woche ist er nach eigener Schätzung im Betrieb. Persönliche Präsenz ist ihm wichtig. Deswegen käme es für ihn auch nicht infrage, sein Unternehmen um Filialstandorte zu erweitern. „Da müsste ich mich teilen oder klonen. Klonen ist nicht erlaubt, und teilen will ich mich nicht“, scherzt er.
Die Schlagfertigkeit des Chefs dürfte ebenfalls ihren Teil zum Erfolg des Autohauses beitragen. Doch im Kern ist es wohl vor allem kontinuierliche Arbeit, die in Ostheim für gute Verkaufszahlen sorgt: „Wir sind seit 25 Jahren auf Seat spezialisiert. Und daneben auf die Marke Streit“, sagt Streit. Dazu gehört auch, dass für die Werkstatt selbst abgeschleppt wird und die Tankstelle sieben Tage die Woche geöffnet ist. Auch außerhalb des Betriebsgeländes investiert Streit in die Bekanntheit des eigenen Namens. Beispielsweise in Banden- und Trikotwerbung bei den Sportvereinen der Umgebung, von der Schüler- bis zur ersten Mannschaft. „Da ist Seat sehr aktiv“, lobt der Unternehmer seinen Importeur. Auch Schulen und Kindergärten werden regelmäßig bedacht. Streit selbst ist vielfach ehrenamtlich engagiert: im Sportverein, Anglerverein, im kirchlichen Bereich und als Jäger. Im Internet fällt des Unternehmens hingegen nicht besonders auf. Streit stützt sich dort auf die eigene Seite sowie die beiden großen Gebrauchtwagenplattformen Mobile.de und AutoScout24. Von anonymen Neuwagen-Vermittlungsportalen wie MeinAuto. de oder Autohaus24 mit ihren hohen Rabatten hält er hingegen nichts. „Das wäre ein Selbstmordversuch“, sagt er. Den hat Streit angesichts seiner Verkaufszahlen natürlich nicht nötig.