München. Der Markt für Fahrerassistenzsysteme hat zwei Gesichter: Einerseits erwarten Experten der Unternehmensberatung Berylls weltweit eine Verdoppelung auf rund sechs Milliarden Euro von 2011 bis 2015 - Bosch beispielsweise verkaufte 2011 dreimal so viele Radarsensoren wie im Vorjahr. Andererseits geht dieses Wachstum von einem recht niedrigen Niveau aus. Selbst im Premiumbereich sind Assistenzsysteme noch immer keine Selbstläufer. Es verlasse zwar kein A8 mehr das Band ohne die akustische Einparkhilfe, aber "gleichzeitig bieten wir neue Fahrerassistenzsysteme an, die in einem A6 auf zehn bis 15 Prozent Einbaurate kommen“, betont Alejandro Vukotich, Leiter Entwicklung Fahrerassistenzsysteme bei dem Hersteller. Entsprechend schwächer ist die Nachfrage in den preissensibleren unteren Segmenten und im Massenmarkt.
In den unteren Segmenten, auf die rund 40 Prozent der Fahrzeugkäufe entfallen, werden sich keine hohen Ausstattungsraten für integrierte Assistenzsysteme erreichen lassen, meint Jan Dannenberg. Der geschätsführende Partner bei Berylls Strategy Advisors weiß, bei diesen Fahrzeugklassen "stehen nur geringe Mittel von circa 1580 Euro für Zusatzausstattungen zur Verfügung. Davon werden rund 960 Euro für Sicherheitsfeatures ausgegeben.“ Sicherheit ja – aber bitte ohne Aufpreis. Dieser Trend zeigt sich auch deutlich in Endkundenbefragungen, die Bosch durchführte. Helfen könnte hierbei eine gesetzliche Regelung, wie sie für den Einsatz von ESP gilt. Seit dem 1. November 2011 bekommen neue Fahrzeugmodelle in Europa nur noch Typgenehmigungen, wenn sie ESP serienmäßig an Bord haben.