München. „Endlich“ werden nicht nur Händler sagen, die sich über Jahre hinweg mit lediglich drei Modellen, dem Kleinwagen MiTo, dem Kompaktmodell Giulietta und dem raren Mittelmotorsportler 4C mehr schlecht als recht über Wasser halten mussten. „Endlich“ werden auch die sogenannten Alfisti sagen, Alfa-Fans, die weiterhin fest an die italienische Traditionsmarke glauben und noch nicht zur Konkurrenz abgewandert sind. Denn große Ankündigungen gab es einige von Alfa Romeo. Jetzt aber sollen Taten folgen. Vorgestellt wird in Arese eine von Grund auf neu konzipierte Mittelklasselimousine (Länge: 4,65 Meter), die vermutlich den Namen Giulia tragen wird und Maserati-Gene in sich trägt. Giulia gilt als Nachfolger des 159 und basiert auf einer längs variablen Standardantriebsplattform (Codename Giorgio): längs eingebauter Motor vorn, Kardanwelle, Hinterradantrieb. Damit will Alfa nicht nur an seine sportliche Vergangenheit anknüpfen, sondern sowohl gegen die etablierte deutsche Konkurrenz (BMW Dreier, Mercedes C-Klasse, Audi A4) als auch gegen den Newcomer Jaguar XE punkten. Zudem wird versprochen, auch bei Qualität und Konnektivität Premium- Niveau zu erfüllen. Giulia kommt als Limousine und als Kombi, hat Heck- und Allradantrieb. Unter der Haube arbeiten Vier- und Sechszylinder, jeweils neu entwickelte Benzin-Direkteinspritzer und Common-Rail-Diesel mit einer Spitzenleistung von bis zu 500 PS (Benziner- V6) und 300 PS (Diesel-V6). Versuchsträger fahren derzeit in Form von verkürzten Maserati Ghibli herum. Später soll es auch Hybridantriebe geben. Die Variabilität der Giorgio- Architektur ermöglicht Alfa, darauf weitere Modelle aufzubauen. Für 2017 sind ein SUV (Debüt in Paris, Herbst 2016) sowie ein Spider vorgesehen. Letzterer hat jedoch nichts mit dem Mazda MX-5 zu tun. Diese Kooperation nutzt ausschließlich Fiat. Das kompakte SUV will Alfa hauptsächlich gegen Mercedes GLC, BMW X3 und Audi Q5 positionieren. In der Klasse darüber planen die Italiener ebenfalls ein SUV (abgeleitet vom Maserati Levante), das jedoch frühestens 2018 debütieren dürfte. Im selben Jahr wäre dann auch der Start für eine große Baureihe, die auf die Businessclass-Modelle E-Klasse, Fünfer und A6 zielt. Möglicher Name: Alfetta. Das Flaggschiff ist hauptsächlich für den US-Markt gedacht und bekommt keine Kombi-Variante. Dass, wie häufig zu lesen war, Alfa das Kompaktsegment aufgeben will und MiTo sowie Giulietta keinen Nachfolger erhalten, stimmt nicht. Zumindest in der Klasse Audi A3 und BMW Einser will FCA-Chef Marchionne die Marke weiter mitfahren lassen. Für den MiTo gibt es Überlegungen. Technisch bedient sich Alfa dabei der kleineren Plattformen aus dem FCA-Regal. Im Vertrieb verfolgt FCA das Ziel, Alfa Romeo und Jeep als Premiummarken zusammen zu vermarkten. Hierzu werden gerade neue Verträge ausgearbeitet. In Deutschland gibt es derzeit 140 Händler. Für die Erneuerung der Marke und die Entwicklung der künftigen Modelle stehen rund fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Den weltweiten Absatz sieht Marchionne in drei Jahren bei 400.000 Einheiten. Das sind rund achtmal so viele wie heute. Dann will er seinen Vorstandsvorsitz abgeben.
Acht neue Modelle bis 2018
Mit Giulia startet Alfa in seine Zukunft
Die Tage sind gezählt. Am 1. Juni wird Alfa Romeo, besser der Chef Harald Wester und FCA-Konzernvorstand Sergio Marchionne, in Arese bei Mailand die Kompletterneuerung der Marke einleiten.