Seoul. Hyundai strebt ins Oberhaus. Weil der Premiummarkt weltweit wächst und die Oberklasse hohe Renditen abwirft, gründen die Koreaner ihre eigene Luxusmarke: Genesis. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen dafür drei Limousinen, ein Coupé und zwei SUVs entwickelt werden, kündigte Strategiechef Minsoo Kim an. Allerdings will er diese Modelle anders als Lexus oder Infiniti nicht über ein eigenes Netz, sondern über ausgewählte Hyundai-Händler verkaufen. Das soll die Kosten reduzieren und den Abstrahleffekt auf die Muttermarke erhöhen.
Den Anfang macht der G90: Gut 5,20 Meter lang und bis zu 425 PS stark, fährt die Luxuslimousine auf Augenhöhe mit der Mercedes S-Klasse, sagt der von BMW abgeworbene Cheftechniker Albert Biermann über das von 800 Ingenieuren binnen vier Jahren entwickelte Flaggschiff.
Ähnlich wie Lexus oder Infiniti macht Genesis um Europa zunächst einen Bogen. "Wir fangen in den USA, China, im Mittleren Osten und in Russland an", sagt Marketing-Vorstand Wonhee Lee. Während es in diesen Märkten auch im Premiumsegment ein gewisses Preisbewusstsein gebe, sei das Image von Hyundai in Europa noch nicht stark genug, um die prestigeorientierten Kunden zu locken. Wenn später die kleineren Modelle kommen, sieht Lee dafür aber auch in Europa Chancen.
Globale Genesis-Prognosen mag bei Hyundai bislang niemand geben. Dabei war der Start des G90 in Korea durchaus ermutigend: Die Jahresproduktion von 13.000 Autos ist nach wenigen Wochen fast ausverkauft und muss aufgestockt werden. Allerdings dürfte dabei der Preis eine große Rolle spielen: In Korea startet der G90 bei umgerechnet 55.000 Euro und ist über ein Drittel billiger als die S-Klasse.