Lippstadt. Systeme zur Müdigkeitserkennung im Auto sind bei vielen Unternehmen in der Entwicklung, doch viele Experten fragen sich, ob sie auch in der Großserie zum Einsatz kommen werden. Denn die Müdigkeitserkennung konkurriert mit anderen Techniken. Ein Spurwarnsystem etwa erkennt, wenn das Auto Fahrbahnmarkierungen überfährt, per Eingriff in die elektrische Servolenkung ist sogar eine Richtungskorrektur denkbar. Auch Notbrems-Assistenten reagieren, wenn der Fahrer unaufmerksam ist. Bei beiden Beispielen ist Müdigkeit am Steuer jedoch nur eine mögliche Ursache für das Fehlverhalten, und sie wird nur indirekt erkannt.
Systeme zur Müdigkeitserkennung hingegen kontrollieren den Wachzustand des Fahrers direkt. Hella arbeitet an einen System, das den Lidschlag erkennt. Eine in die Instrumententafel integrierte Kamera auf CMOS("Complementary Metal Oxide Semiconductors")-Basis beobachtet dabei das Gesicht des Fahrers. Anhand von bestimmten Merkmalen wird der Erkennungsalgorithmus auf die Augenpartie ausgerichtet und detektiert dort Geschwindigkeit und Frequenz des Lidschlags. "Daraus auf den konkreten Müdigkeitszustand zu schließen, ist extrem schwierig", sagt Ulrich Büker, der zuständige Entwicklungsleiter für Karosserieelektronik. "Wir konzentrieren uns damit auf die Erkennung des Sekundenschlafs. Denn durch Einschlafen verursachte Unfälle fallen überdurchschnittlich schwer aus." Bleiben die Augen des Fahrers außergewöhnlich lange geschlossen, ertönt ein Wecksignal. Andere Warnungen sind denkbar, etwa in Lenkrad oder Sitz geleitete Vibrationen. Sonnenbrillen oder Dunkelheit sind kein Hindernis für die Kamera: Per Infrarotbeleuchtung bleiben die Augen des Fahrers stetig im Fokus der Technik. Mögliche Serieneinführung: 2010.
Im Lexus LS 460 ist eine Überwachung bereits Realität. Dort vermisst eine auf der Lenksäulenabdeckung montierte Kamera das Gesichtsfeld des Fahrers. Wenn er für das System erkennbar zur Seite blickt und die Objekterkennung gleichzeitig ein Hindernis vor dem Auto erkennt, wird der Fahrer in mehreren Stufen optisch und akustisch gewarnt. Reagiert er darauf nicht, aktiviert das System letztlich den Notbrems-Assistenten.
Siemens VDO hat einen Einschlafwarner gegen den Sekundenschlaf bereits 2006 vorgestellt. Er eignet sich gleichermaßen für den Einbau in Lkw und Pkw. Und auch bei Mercedes-Benz wird ein solches Warnsystem entwickelt.
Andere Hersteller beobachten das Geschehen eher skeptisch. Volkswagen etwa hatte eine Müdigkeitserkennung in der Entwicklung, hat das Projekt aber einstweilen ausgesetzt.
BMW beurteilt die Technik ähnlich verhalten - und führt außerdem Berührungsängste mancher Kunden mit der neuen Technik an, wenn eine Kamera ständig das Gesicht im Fokus hat.