Köln. Trotz Aufwärtstrend bei den Pkw-Neuzulassungen und relativ junger Modellpalette kommt Toyota nicht in Schwung. Während der Gesamtmarkt in Deutschland in den ersten zwei Monaten 2008 um 17,3 Prozent zulegte, verloren die Japaner 11,6 Prozent. So liegt der nagelneue Golf-Konkurrent Auris mit 2514 Neuzulassungen trotz großem Werbeaufwand nicht nur hinter der deutschen Konkurrenz, sondern auch hinter Modellen wie dem Honda Civic und dem Citroën C4. Trotz der CO2-Diskussion konnte selbst der Kleinwagen Aygo (minus 7,3 Prozent) nicht punkten. Auch der als Segmentbegründer geltende Geländewagen RAV4 verlor erheblich an Boden (minus 37,5 Prozent).
Laut Udo Jüngling, Geschäftsführer des Toyota-Händlerverbands, liegt das am neuen Margensystem, das zu Jahresbeginn eingeführt wurde. "Das neue System bietet vor allem für größere Händlergruppen Nachteile beim Volumenbonus. Daher haben viele Vertragspartner noch im Dezember größere Mengen beispielsweise vom Aygo abgenommen", erklärt Jüngling. Diese Fahrzeuge wurden noch 2007 zugelassen und mit Tages- oder Kurzzulassung verkauft. "VW war cleverer, die hatten die meisten Tageßulassungen schon im November", weiß Jüngling. Bei Toyota Deutschland freut man sich unterdessen, dass so die Händlerzulassungen in den ersten beiden Monaten verglichen mit dem Vorjahreßeitraum "um 50 Prozent abgebaut" werden konnten - vor allem auch wegen des Auris, der vor rund einem Jahr noch häufig als Vorführwagen angemeldet wurde. Dass Toyotas Golf-Konkurrent dennoch nicht richtig in Fahrt kommt, liege an Defiziten im Modellprogramm. "In diesem Segment braucht man einen Kombi, die breite Verfügbarkeit eines Automatikgetriebes und vielfältig kombinierbare Sonderausstattungen", sagt Jüngling. Der Auris ist derzeit nur drei- oder fünftürig und lediglich mit einem automatisierten Schaltgetriebe für den 1,6-Liter-Benziner lieferbar. Zudem sind Sonderausstattungen wie das Schiebedach nur in Kombination mit bestimmten Varianten oder Motorisierungen zu bestellen.
Viel Arbeit also für den neuen Vizepräsidenten von Toyota Deutschland, Alain Uyttenhoven. "Mein Team und ich haben viel vor, um das Unternehmen und die starke Marke Toyota weiter zu entwickeln", sagt Uyttenhoven. "Der Rückgang der Verkaufßahlen stellt eine Herausforderung für uns und unsere Händler dar. Allerdings bereiten wir uns derzeit auf ein bisher nicht gekanntes Produktfeuerwerk ab Ende 2008 vor. Wir haben deshalb keinen Grund, uns auf die aggressive Absatzförderung des Wettbewerbs einzulassen, setzen hingegen weiterhin auf Qualität beim Verkauf und schützen so unsere Restwerte", lässt die Kölner Zentrale verlauten. Inzwischen habe man den Privatkundenanteil um zehn Prozent steigern können, weshalb Toyota in diesem Segment nun vor Opel, Audi und Ford liege.
Doch schon für Anfang 2009 sind erneut zahlreiche Händlerzulassungen zu erwarten, da dann nahezu zeitgleich der Kleinstwagen iQ und die lang ersehnte Ablösung des Mittelklasseautos Avensis auf den Markt kommen. "Das wird sicher eine Herausforderung für den Handel, die Neuheiten gut im Markt zu platzieren - aber eine luxuriöse", sagt Jüngling.