Gelsenkirchen. Damit handelt der Pionier aus dem Silicon Valley abermals gegen den Trend, denn mit Lizenzen lassen sich glänzende Geschäfte machen. „Die Umsatzerlöse aus Lizenzgebühren haben sich in den vergangenen 15 Jahren deutlich erhöht“, sagt Florian Schwabe, Prokurist beim Technologie-Lizenz- Büro der Baden-Württembergischen Hochschulen. Laut World Investment Report betrugen sie 1996 etwa 40 Milliarden Euro, heute sind es 200 Milliarden Euro – mit deutlich steigender Tendenz. Von dieser Entwicklung profitieren will auch Lars Baumgürtel: Der Chef des Verzinkungsspezialisten Voigt & Schweitzer vergibt Lizenzen an die Konkurrenz, um seine Mikroverzinkung massentauglich zu machen. Die patentierte Mikroverzinkung ist für viele Autohersteller eine dauerhafte, wettbewerbsfähige Alternative zur kathodischen Tauchlackierung (KTL), vor allem in Verbindung mit hochfesten Stählen. Der Zulieferer kann sich vor Nachfrage kaum retten, aktuell sind Teile, Querlenker und Federbeine in mehr als 4,5 Millionen Pkw mit dem patentierten Dünnschichtkorrosionsschutz veredelt. Nun steht eine Verdopplung des Auftragsvolumens an, denn BMW will in einzelnen Baureihen nur noch mikroverzinkte Teile einsetzen. Und zwar mit verschiedenen Zulieferern ersten Ranges an verschiedenen Produktionsstandorten innerhalb Europas. Baumgürtel muss entsprechend reagieren. Denn seine Kapazitäten sind zu 90 Prozent ausgelastet. Aber mit jeder zusätzlichen Kapazität bauen Zulieferer höhere finanzielle Risiken auf. Eine weitere Akquisition hätte eine massive Bindung von Working Capital zur Folge, die Errichtung von nagelneuen Produktionskapazitäten würde mindestens einen Prozentpunkt Rendite kosten.
Lizenzvergabe
Lösung für das Wachstum
Das hat es in der Autobranche so noch nie gegeben: Konzernchef Elon Musk verschenkte jüngst die Patente für den Tesla, um den Technologiewechsel Richtung E-Car voranzutreiben.
Zukäufe sind keine Lösung
Zukäufe sind für Baumgürtel dabei keine Lösung: Dazu müssten andere Verzinkereien technologisch auf demselben Stand sein wie seine eigenen Betriebe. Die steigende Nachfrage kann er allein mit eigenen Kapazitäten allerdings nicht bedienen. Sollte die innerbetriebliche Norm europäischer Standard werden, könnte der Verzinkungsspezialist das Wachstum nicht mehr alleine stemmen.