Berlin. Der Name ist Programm: Local Motors baut die Zahl seiner Standorte aus und will jetzt auch in Europa Fuß fassen. In Berlin hat das US-Unternehmen, das seine Produkte und Verfahren von einer Internet-Community in der Cloud entwickeln lässt, deshalb im vergangenen Jahr seine erste Niederlassung außerhalb Amerikas eröffnet und jetzt den Produktionsstart in einer sogenannten „Micro-Factory“ für das dritte Quartal des nächsten Jahres angekündigt. Bereits Ende 2015 will Local Motors in Berlin als Vorstufe der Produktion ein „Lab“ eröffnen, aus dem zum Jahreswechsel die ersten Prototypen kommen sollen. Die Zahl der Mitarbeiter werde dafür binnen der nächsten zwölf Monate von aktuell drei auf etwa 70 aufgestockt, sagte der Berliner Community-Manager Florian Feise der Automobilwoche.
Auf der Suche nach Ideen
Zwar hat die 2007 in Phoenix gegründete Firma, die zuletzt mit dem weltweit ersten Auto aus dem 3-D-Drucker Schlagzeilen machte, schon einen sehr konkreten Zeitplan. Doch was den Amerikanern für den Start in Europa noch fehlt, ist das passende Produkt. Um das zu definieren, haben sie von Berlin aus als erste Amtshandlung die mit 20.000 Dollar dotierte „Urban Mobility Challenge“ gestartet und ihre rund 50.000 Internet-Entwickler um Vorschläge für adäquate Verkehrsmittel im Jahr 2030 gebeten. Unter den knapp 100 Einsendungen aus aller Welt sind futuristische Fahrräder genauso wie intermodale Nahverkehrsmittel, umweltfreundliche Kuriertransporter, autonome Sammeltaxis oder Hightech-Rikschas für den Tourismus.
Nachdem die Projekte von einer Experten- und Publikumsjury bewertet wurden und die Gewinner gekürt sind, will Local Motors alle Einsendungen nun noch einmal durchgehen und die für eine Produktion aussichtsreichsten auswählen. Davon sollen binnen weniger Monate Prototypen gefertigt werden, die sich dann im Berliner Verkehr bewähren müssen, erläutert Feise. Parallel zur technischen Umsetzbarkeit der Entwürfe will Local Motors dann auch die Chancen einer Vermarktung untersuchen. Feise: „Sobald wir eine Vertriebschance sehen, starten wir mit der Produktion.“
Tempo bei der Umsetzung
18 Monate von der Idee bis zur Einführung: Dieser ambitionierte Zeitplan, den Local Motors bei Projekten wie dem Wüstenrennwagen „Rallye Fighter“ bereits eingehalten hat, macht für Feise den Unterschied zu etablierten Autoherstellern aus. Mit den dezentralen Strukturen, den flachen Hierarchien und dem globalen Entwicklernetzwerk brauche Local Motors nur einen Bruchteil der Zeit und viel weniger Geld für eine Produktentwicklung. Auch Fabriken könnten schneller gebaut werden, sagt Feises Berliner Standortchef Damien Declercq. Nicht umsonst plant er bis zum Ende des Jahrzehnts mit 20 bis 25 „Micro-Factories“, von denen in Deutschland gleich mehrere entstehen sollen.