München. Starke Schwankungen im Liefernetzwerk der Automobilindustrie können dazu führen, dass die Supply Chain zum Zerreißen gespannt wird und damit an die Grenze der Funktionsfähigkeit gerät. Karsten Ötschmann, Vice Chairman des Verbands Informationstechnologie in der Automobilindustrie (ITA), benennt die aktuellen, vor allem durch die Krise in der Automobilindustrie entstandenen Probleme: "Allenthalben treten Engpässe auf, fehlen Teile. Um den Bandstillstand in der Produktion des OEM zu vermeiden, werden Teile wie etwa Motorblöcke mit teuren Sondertransporten um die halbe Welt geflogen. Und jede Woche, jeden Tag kommt es zu neuen Eskalationen in der Supply Chain.“ Die Anfälligkeit der Lieferkette, die in den vergangenen Monaten deutlich größer geworden ist, hat mehrere Gründe. So trennten sich Zulieferer in der Krise konsequent von allem, was Kapital bindet – auch von Lagerbeständen und Überkapazitäten, die früher als Puffer dienen konnten. Auf der anderen Seite wurde nicht oder nicht ausreichend in IT investiert, die die Lieferkette fit für neue Herausforderungen gemacht hätte. Hinzu kommt, dass niemand mit einem derartigen Aufschwung gerechnet hat und dass die Lieferkette durch Insolvenzen von Zulieferern zusätzlich geschwächt wurde.
Und nun, so beschreibt Ötschmann, "trifft die extrem volatile Nachfrage auf eine noch schwächelnde Automobilindustrie mit einer bis zur Magersucht verschlankten Supply Chain“. Die Lösung der Probleme wäre, wenn es gelänge, das komplette Liefernetzwerk per IT abzubilden, zu überwachen und zu steuern. "Das ist aber aufgrund der Komplexität und des globalen Änderungsmanagements nicht möglich“, bedauert Ötschmann. Verbesserungen seien aber machbar. "Es müssen IT-Systeme eingesetzt werden, die die mittelund langfristige Planung von OEMs und Zulieferern miteinander synchronisieren.“ Vor allem große Unternehmen vereinheitlichen derzeit ihre IT-Systeme. Die oft historisch gewachsene Systemvielfalt, die Transparenz und Flexibilität behindert, wird dabei schrittweise abgebaut.