München. Demnach können Hersteller umfassende Fahrzeug- und Kundendaten aus zahlreichen Quellen systematisch sammeln, auswerten und weiterverarbeiten. Daraus entstehen detaillierte Kunden- und Produktprofile, mit denen die Autobauer ihre Kunden, deren Wünsche und Fahrzeugnutzung besser einzuschätzen lernen. Produkte werden somit für den Kunden maßgeschneidert. „Zielgerichtet soll der Kunde betreut werden. Kommt beispielsweise ein Familienvater ins Autohaus, sollen ihm in Zukunft aktiv Kindersitz oder Entertainment für den Rücksitz angeboten werden – nicht aber ein Cabrio“, sagt Stricker. Intelligente Datenverarbeitung werde auch dazu beitragen, dass Werkstätten ihre Kunden auf mögliche Wartungstermine selbst aufmerksam machen und Terminvorschläge verschicken, um so ihre Werkstatt optimal auszulasten. In fünf bis zehn Jahren, so die Autoren der Studie, sind die meisten jungen Fahrzeuge vernetzt, wovon die Vertragswerkstätten profitieren werden. Datensicherheit und Datenschutz spielen bei Big Data eine wichtige Rolle. „Gerade Deutsche haben oft Bedenken und wägen vorher genau ab, ob und wie sie ihre Daten preisgeben“, sagt Berater Stricker. Aber auch diese Kundengruppe können die Hersteller beispielsweise für ihre Infotainmentlösungen gewinnen, wenn sie gekonnt verkaufen: „Wir haben beobachtet, dass viele Kunden über den Datenschutz hinwegsehen, wenn das Produkt ihnen einen nützlichen Mehrwert bietet und attraktiv gestaltet ist.“ Natürlich soll auch in Zeiten von Big Data der Kunde weiterhin entscheiden, was mit seinen Angaben geschieht. „Es wird jeder Kunde gefragt werden, ob er seine Daten zugänglich machen will. Willigt er ein, profitieren alle drei: zuerst der Kunde – aber auch der Händler und der Hersteller.“
Vernetzung
Kunden besser kennen
Für Hersteller, Zulieferer und Händler wird es zunehmend zur Herausforderung, Datenmengen intelligent zu nutzen, die von vernetzten Autos generiert werden. „Big Data ist ein Trend, der die Automobilindustrie nachhaltig verändern wird. Ab 2017 werden durch eCall alle Neuwagen bis zu einem gewissen Grad vernetzt sein. Sie werden also zu rollenden Datensammlern. Das daraus resultierende Potenzial wollen die Hersteller nutzen“, sagte Klaus Stricker von der Managementberatung Bain im Gespräch mit der Automobilwoche. Er hat zusammen mit zwei Kollegen die Studie „Big Data revolutioniert die Automobilindustrie“ verfasst.