Stuttgart. Nur zwei Jahre nachdem Mahle die Mehrheit am Klimatisierungsspezialisten Behr übernommen hat, kauft der Zulieferer die Thermomanagement-Sparte von Delphi hinzu. Heinz K. Junker, der Ende Juni den Vorsitz in der Geschäftsführung an Wolf-Henning Scheider abgegeben hat, nennt dafür drei Gründe: die verbesserte Marktposition, die Optimierung der Fertigungsstrukturen und die Ergänzung des Portfolios. „Durch den Zukauf von Delphi Thermal sind wir künftig die Nummer zwei im weltweiten Geschäft mit Klimatisierung und Kühlsystemen für den Antrieb“, sagte Junker der Automobilwoche.
Der Fokus von Behr lag vor der Übernahme auf dem Europa-Geschäft. Das Unternehmen ist vor allem bei deutschen Premiummarken als innovativer Partner bekannt, aber im Weltmaßstab relativ klein. „Wir wollen mit all unseren Geschäftsbereichen unter den Top-Drei-Anbietern auf der Welt sein“, so Junker. „Dann wird man bei jeder bedeutenden Ausschreibung auch gefragt.“ Delphis Sparte bringt vor allem internationales Geschäft ein. Doch Größe ist nicht alles: Auch wenn Junker die Integration von Behr als fast abgeschlossen bezeichnet, entsprechen die Fertigungsstrukturen der Thermomanagement-Sparte noch nicht den eigenen Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit. Die Behr-Werke befanden sich vor allem an Hochlohn-Standorten in Westeuropa. Seit der Integration in die Mahle-Gruppe hatte man begonnen, „Zebra-Werke“ an Niedriglohnstandorten auszubauen. In diesen Werken werden Produkte aus den Geschäftsbereichen „Filtration und Motorperipherie“ und „Thermomanagement“ gemeinsam hergestellt. Mit dem Zukauf löst Mahle das Ungleichgewicht zwischen Hoch- und Niedriglohn-Standorten auf einen Schlag, da Delphi Werke in Polen, Tschechien und Ungarn einbringt. In Nordamerika befindet sich nahezu die gesamte Fertigungskapazität in Mexiko.
Dritter Akquisitionsgrund: Als Systemlieferant musste Behr komplette Klimatisierungslösungen entwickeln. In der Vergangenheit konnten die Entwicklungskosten aber nicht auf das Gesamtsystem umgelegt werden, weil man keine Kompressoren fertigte. „Delphi Thermal bringt mit der Kompressoren-Eigenfertigung eine wesentliche Komponente ein, mit der wir die Gesamt-Wertschöpfung deutlich erhöhen können“, so Junker. Der Kompressor gilt zudem als Schlüsselkomponente für effiziente Klimaanlagen. Der Mahle-Einstieg in das Geschäft mit Kühlung und Klimatisierung reicht ins Jahr 2001 zurück, als der Zulieferer die Mehrheit am japanischen Filterhersteller Tennex übernahm. Der besaß eine Sparte, die Wärmetauscher herstellte. Junker: „Es war bereits damals klar, dass Thermomanagement aufgrund der immer strikteren Emissionsvorschriften ein Wachstumsfeld sein würde.“ Die Gelegenheit zum Einstieg, der dann in der Mehrheitsübernahme mündete, kam 2010, als Behr in der Weltwirtschaftskrise zwei Jahre lang rote Zahlen geschrieben hatte.