Köln. Alle 38 Sekunden läuft im Kölner Ford-Werk ein Fiesta oder Fusion vom Band. Rund 800 Meter vom Werk entfernt sorgen Joachim Stern, Geschäftsführer von Anterist+Schneider Automotive Service, und seine Mitarbeiter dafür, dass die Produktion nicht aus dem Takt gerät: Büro und Fertigungshalle der Logistik-Tochter der Schenker AG liegen am Rheinufer in einem der modernsten Industrieparks der Autobranche, der 48.000 Quadratmeter umfasst. "Die Besonderheit bei uns: Wir gehen als Logistiker so weit, ganze Module zu montieren. Das ist schon die hohe Schule der Logistik", sagt Stern. Anterist+Schneider ist einer der wichtigsten Dienstleister von Ford und liefert dem Autobauer unter anderem Instrumententafeln zu. Aus 250 Einzelteilen montieren rund 200 Beschäftigte das komplette Cockpit vor. Nach einer halben Stunde und 40 Montageschritten laufen die fertigen Module über einen Schienenweg in luftiger Höhe ins Ford-Werk. "Die Instrumententafel ist ein sehr zeitkritisches Modul, da vom Abruf bis zum Verbau lediglich eine Zeitspanne von 90 Minuten liegt", erklärt Stern. Die pünktliche Anlieferung des Cockpits ist aber nur eine Aufgabe, die Anterist+ Schneider für Ford übernimmt. Das Logistik-Unternehmen versorgt den Autobauer auch mit Kabelbäumen in 267 Varianten und mehr als 400 Befestigungsteilen.
"Mit einer funktionierenden Logistik unterstützt man ein effektives Werk enorm", sagt Ford-Logistikchef Gert Blümel. Moderne Logistik-Unternehmen müssen über den reinen Transport-Service hinaus die Anlieferung just in time garantieren. Immer wichtiger wird der Logistiker, der just in sequence liefern kann, also die benötigten Teile oder Module auch in der richtigen Reihenfolge ans Fertigungsband bringt. "In dieser Rolle sehen wir uns im Moment", sagt Geschäftsführer Stern von Anterist+Schneider. Als die großen Herausforderungen der Zukunft nennt er immer kürzere Modellzyklen und eine immer globalere Lieferantenbasis. Schon heute setzen viele Logistikfirmen und Hersteller zur Steigerung der Effizienz auf die gemeinsame Vormontage. Doch für Ford-Logistikleiter Blümel ist das nicht zwangsläufig der Königsweg. "Vormontage ist keine Strategie per se", meint er. "Die Frage ist, wo macht das am meisten Sinn unter Gesamtkosten-Gesichtspunkten."
Ein in der Branche oft diskutiertes Thema spielt weder bei Anterist+Schneider noch bei Ford eine Rolle: das Fünf-Tage-Auto, das am Montag bestellt wird und am Freitag vom Band rollt. Es sei nicht wichtig, sehr schnell zu liefern, sagt Ford-Logistiker Blümel: "Unser Auftragsabwicklungssystem lässt zwar eine Kundenbelieferung innerhalb von 15 Tagen zu", so der Supply-Chain-Spezialist. "Für den Kunden ist jedoch entscheidender, dass ein zugesagter Liefertermin eingehalten wird."