Hamburg. Weitschweifige Reden sind nicht Sache von Stephan Krüll. Als gelte es, einen Pitch zu gewinnen, referiert er engagiert über jeden Punkt der 17 Chartfolien zu Historie und Expansion der Hamburger Krüll Motor Company mit 632 Mitarbeitern und 321 Millionen Euro Umsatz. Kein Wort zu viel, aber auch keins zu wenig kommt dabei über seine Lippen - stets prägnant, höflich und mit gebotener Distanz formuliert.
Der 37 Jahre alte Mitinhaber des Hamburger Autohauses wirkt zweckorientiert wie die Möblierung seines Arbeitszimmers. Insignien der Macht sucht man in diesem Raum vergebens. Sein Selbstwertgefühl schöpft Krüll, typisch für einen mittelständischen Unternehmer, aus dem zähen Kämpfen um die langfristige Zukunftssicherung des Betriebs.
Und diese hat Krüll, zuständig für die nicht operativen Bereiche im Haus, bislang eindeutig gewonnen. So ist die 1934 auf dem Gelände einer Tapetenfabrik an der Altonaer Ruhrstraße gegründete Firma heute der größte Volvo- und Jaguar-Händler und der zweitgrößte Ford-Händler Deutschlands. 2006 verkaufte das Mehrmarkenunternehmen 11.397 Neu- und 7249 Gebrauchtwagen.
Der gelernte Autokaufmann, der als Hobbys Geschäft und Familie nennt, gehört zur Führungsriege in der Hamburger Zentrale, wo Verwaltung und EDV des weitverzweigten Autohauses angesiedelt sind. Krüll: "Dadurch können sich alle Betriebe gezielt auf den Vertrieb konzentrieren." Stephan Krüll und sein Cousin Christian Krüll (33), der die Strategie und Aufnahme neuer Marken verantwortet, repräsentieren als Geschäftsführer die dritte Generation des Unternehmens, das vollständig in Familienbesitz ist. Komplettiert wird das Führungstrio von Heinz Peters (65), Geschäftsführer für Marketing und Einkauf.
Der Hobby-Marathonläufer Peters weiß, welcher Kraftakt nötig ist, um entscheidende Reserven auf wichtigen Wegstrecken zu mobilisieren - auch im Autohandel. Denn wer an der Spitze mitlaufen will, muss neben einer guten Kondition auch über Biss, Selbstdisziplin und taktisches Geschick verfügen. Mitarbeiter ohne diese Fähigkeiten hätten bei Stephan Krüll schlechte Karten: "Damit sich ein Betriebsleiter im Unternehmen rechnet, muss er mindestens 200 bis 250 Autos jährlich verkaufen."
Erfolgreich kann für den Unternehmer Krüll nur derjenige sein, der sich auf seine Stärken konzentriert. Aktivitäten, die außerhalb der Kernkompetenz des Autohauses liegen und sich nicht langfristig rechnen, gibt Krüll konsequent wieder auf - so wie im Jahr 2002 eine eigene Leasinggesellschaft für Großkunden.
Seit der Gründung vor gut 70 Jahren ist das Autohaus ständig gewachsen. Die Expansion begann im Jahr 1988 mit dem Kauf des Autohauses Otto P. Wulf in Bergedorf. Danach folgten mehrere Autohaus-Übernahmen, darunter die Handelsbetriebe Berkenkamp und Auto 2000. Heute vertreibt die Krüll-Gruppe insgesamt acht Marken in 13 Autohäusern von Hamburg über Rostock, Lüneburg, Uelzen bis Darmstadt und Groß-Gerau. Weitere Expansion ist nicht ausgeschlossen: "Wir sind für alles offen", so Unternehmer Stephan Krüll, "was sich rechnet und Sinn macht."