München. Opel und Ford in trauter Verkaufsgemeinschaft? Gibt es, und zwar immer öfter. Beispielsweise in Mainz-Kastel. Fast drei Jahre stand ein ehemaliges Ford-Autohaus leer, mitten im Industriegebiet Petersweg. Vier Millionen Euro haben die neuen Inhaber von Delta Automobile -- Jörg Enderlein und Shariar Pirzadeh -- investiert, um den Betrieb mit einer Verkaufsfläche von 13.000 Quadratmetern wieder ins Geschäft zu bringen. "Pro Jahr wollen wir hier bis zu 5.000 Neu- und Gebrauchtwagen der Marken Ford und Opel verkaufen", kündigt Pirzadeh an. Zur Einweihungsfeier am 16. April kamen mehr als 3.000 Besucher allein zu Probefahrten, das "Willkommensangebot" war ein Ölwechsel zum Preis von einem Euro. Die Zahl der Mitarbeiter will Enderlein, der zuvor für die Nürnberger Versicherungsgruppe und in der Opel-Zentrale arbeitete, bis Mitte 2006 von 20 auf 50 Mitarbeiter aufstocken, sogar Filialen sollen eröffnet werden.
Dass hier rivalisierende Marken mit fast identischen Modellsegmenten unter einem Dach angeboten werden, sieht Pirzadeh, früher Geschäftsführer der Gerlach-Gruppe, als lukrative Geschäftsidee. "So bekommen wir eine grössere Zielgruppe. Und wer einen Opel will, wird sich nicht zum Ford überreden lassen." Die Verkaufsteams der beiden Marken agieren eigenständig, doch die Showräume trennt nur eine Cafeteria.
In der Kölner Ford-Zentrale hat man keine Berührungsängste. "Sofern unsere Händler die Marke Ford im Griff haben, ist es kein Problem, wenn sie weitere Marken ins Portfolio aufnehmen", erklärt Vertriebschef Reinhard Zillessen. Schon heute vertreiben 189 der 650 deutschen Ford-Händler mehrere Marken, davon 61 auch konzernfremde. Sieben von ihnen verkaufen Autos des Wettbewerbers Opel, sechs sogar unter einem Dach. Und das Spiel funktioniert auch in anderer Konstellation: Bei Opel vertreiben schon drei Händler VW-Modelle. "Dank unseres starken Produktportfolios macht mir das keine Sorgen", sagt Opel-Vertriebsdirektor Jean-Marc Gales.