München. Toyota-Händler zu sein, ist derzeit offenbar kein Vergnügen. Deutlich und unmissverständlich haben die deutschen Toyota-Partner bei ihrer Jahreshauptversammlung in Berlin mit ihrer Marke abgerechnet: falsche Modell- und Preispolitik, schlechtes Krisenmanagement in der Gaspedal-Affäre, langweilige Werbekampagnen, Marketingfehler – um nur einen Teil der Vorwürfe zu nennen. So berichten Toyota-Händler, bei ihnen kämen noch immer Kunden ins Autohaus, die sich den neuen Corolla ansehen wollten. Leider hat es den Marketing-Verantwortlichen des Konzerns in ihrem unergründlichen Ratschluss gefallen, den Namen Corolla durch Auris zu ersetzen und die Variantenvielfalt des Kompaktmodells deutlich zu beschneiden. Ob Volkswagen sich jemals vom Namen Golf trennen würde oder Mercedes von der S-Klasse?
Die Toyota-Verkaufszahlen in Deutschland zeigen, dass tatsächlich nicht alles richtig gemacht wurde. Trotzdem oder gerade deshalb hat die Automobilwoche gemeinsam mit Mobile.de in dieser Ausgabe dem Berliner Toyota-Händler Detlef Slupinski ein Apfelbäumchen überreicht – für seinen unternehmerischen Mut, in Zeiten der Krise und mit einer wenig trendigen Marke im Rücken 1,7 Millionen Euro in ein neues Autohaus zu investieren. In Anlehnung an das Martin Luther zugeschrieben Zitat: "Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Slupinskis "Apfelbäumchen“, der Handelsbetrieb Motor Company in Reinickendorf, ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie man auch in schwierigen Zeiten und mit mäßig attraktiven Produkten seine Kunden überzeugen kann – wenn man sie richtig anspricht.
Mit Audi, BMW, Sˇkoda oder Hyundai erfolgreich zu sein, ist keine Kunst, kann man als Händler doch stets mit dem Rückenwind attraktiver Produkte, eines gepflegten Markenimages oder eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses operieren. Als Toyota- und Lexus-Händler hat man es da ungleich schwerer. Doch das Beispiel Motor Company zeigt, was ein guter Händler bewegen kann. Von seinem Erfolg können sich Kollegen einiges abgucken. Auch deshalb wird die Automobilwoche insgesamt zehn Autohändler für ihren "Mut zum Handel“ mit einem Apfelbäumchen auszeichnen. Denn Mutlosigkeit und Verzagtheit gibt es in diesem Land genug.