München. Als sich Volkswagen ausgerechnet Toyota zum Gegner auserkor, den es bei Absatz, Gewinn und Qualität zu schlagen gilt, da hielten nicht wenige – so auch ich – die Führung in Wolfsburg für größenwahnsinnig. Toyota, jenes Unternehmen, das bei Produktivität und Qualitätssicherung, Effizienz und Kundenorientierung einer ganzen Manager-Generation – nicht nur in der Autobranche – als Vorbild diente? Unmöglich! Doch wer die Nachrichten der vergangenen Wochen verfolgte, kommt zu dem Schluss: Nichts ist unmöglich! Der Branchenprimus aus Japan ist dabei, seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit zu verlieren. Nicht nur das desaströse Verkaufsergebnis in Deutschland, wo die Absatzzahlen trotz des Corolla-Nachfolgers Auris um 22 Prozent einbrachen, stimmt nachdenklich.
Mehr noch trifft Toyota die Krise in den USA, wo selbst der sieche GM-Konzern derzeit weniger Kunden verliert als Japans Nummer eins. Nun rächt es sich, dass Toyota, entgegen der landläufigen Meinung (auch vieler Journalisten-Kollegen und selbst ernannter Branchenkenner), eben nicht auf benzinsparende Kleinwagen und fortschrittliche Hybrid-Autos gesetzt hat. Nein, das Wachstum der vergangenen zehn Jahre kam hauptsächlich durch den Erfolg von Light Trucks in den USA und Südostasien, also durch die „spritfressenden Geländewagen und Pick-ups“, deren Absatz Toyota in einer Dekade mehr als verdoppelt hat. Genau dieses Segment ist nun der Schwachpunkt in der Wachstumsstrategie. Deshalb wird Toyota von der aktuellen Auto-Krise stärker getroffen als viele andere Hersteller. Auch der Gewinn ist unter Druck: Um 30 bis 40 Prozent wird der Profit in diesem Geschäftsjahr sinken. Damit liegt die Gewinnmarge von Toyota bei gerade noch sechs bis sieben Prozent und somit auf dem Niveau von Volkswagen.
Toyota wird zwar General Motors als größten Autohersteller der Welt überholen. Das steht außer Frage. Doch auch in diesem Erfolg liegt eine Gefahr. Welches Ziel kann man noch haben, wenn man Nummer eins geworden ist? Nummer eins werden und Nummer eins bleiben erfordert unterschiedliche Qualitäten. Ob das Unternehmen beides kann? Aber vielleicht ist es für Toyota ja sogar ein Glücksfall, dass mit Volkswagen nunmehr ein ernst zu nehmender Konkurrent im Kampf um die Weltspitze antritt. Denn ohne einen Wettbewerber auf Augenhöhe, und der war General Motors schon lange nicht mehr, hat sich Toyota jüngst womöglich nicht mehr genügend angestrengt.