München. Die Liebe zum Automobil, nirgendwo ist sie so unschuldig wie in den Hallen der weltweit größten Oldie-Messe Techno-Classica in Essen, auf der Strecke der Mille Miglia in Italien, im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart oder in den Garagen der Oldtimer-Enthusiasten in aller Welt. Selbst die verbohrtesten Auto-Kritiker verstummen beim Anblick eines Mercedes 300 SL, Porsche 356 oder Opel Kapitän – und öffnen Oldtimern sogar die Umweltzonen der Innenstädte, auch ohne grüne Plakette. Es ist kein Zufall, dass sich Audi, BMW, Mercedes und auch Porsche seit Jahren einen kostspieligen Wettbewerb darum liefern, wer das schönste, größte und aufregendste Museum für seine Chromjuwelen baut.
BMW und Porsche werden in diesem Jahre ihre Trümpfe ausspielen. Auch VW soll an einem neuen Museum arbeiten. Und es ist ebenfalls kein Zufall, dass vor allem die Marken in Deutschland seit Jahren Probleme haben, die sich kaum um ihre Historie gekümmert haben: Ford und Opel. Denn die Pflege der Historie ist vor allem Marken-Pflege. „Wer einen A4 kauft, der kauft auch ein Stück von Bernd Rosemeyers Auto Union-Rennwagen“, sagte vor Jahren ein Audi-Manager. Die Ingolstädter haben es schwer genug mit der Historie, repräsentieren die vier Ringe doch vor allem Marken, die es schon lange nicht mehr gibt (Horch, Wanderer, DKW). Dass Audi der Spagat zwischen Historie und Neuzeit dennoch gelingt, sollte vor allem den japanischen Marken ein Vorbild sein. Denn mittlerweile können auch Toyota, Mazda und Honda auf eine ansehnliche Geschichte zurückblicken. Die ersten Honda-Pkw, kleine Sportwagen mit Motorrad-Motor, sind ebenso Kultmobile geworden wie das barocke Wankelmotor-Coupé Mazda Cosmo oder der Toyota-Sportwagen 2000 GT. Wer solche Fahrzeuge sehen will, muss zumindest in Europa zu Privatsammlern gehen oder Händler besuchen, die einen Oldtimer als Ausstellungsstück im Showroom zeigen. Ein weiterer Beweis dafür, was Toyota auf dem Gebiet des Marketings noch lernen muss.
Man darf gespannt sein, ob der neue Deutschland-Chef Alain Uyttenhoven hier die Weichen in die richtige Richtung stellt. Bei Opel, seinem vormaligen Arbeitgeber, hat er dergleichen nicht geschafft. Wenn selbst eine so rationale Marke wie VW Nutzfahrzeuge nun die Historie aufarbeitet, die alten Bullis auf Ausstellungen zeigt und Sammler unterstützt, wird es doch für Toyota, Honda, Mazda und Co. höchste Zeit. Von Ford und Opel gar nicht zu reden.