Woran Opel bisher gescheitert ist, was General Motors und Ford fast in den Ruin getrieben hätte, das versucht nun auch Volkswagen: Die Trennung von Fabriken, die Autoteile wie Achsen, Abgasanlagen und Lenkungen herstellen. Eine Strategie, für die ein Automanager von Seiten der Aktionäre, der Investmentfonds und Banken viel Beifall erntet. Doch die Beispiele Ford und GM zeigen, wo die Gefahren liegen. Delphi und Visteon, deren ehemalige Zulieferwerke, entpuppten sich in den USA als kaum überlebensfähig und müssen von ihren ehemaligen Muttergesellschaften teuer saniert werden.
Klartext - Outsourcing allein ist keine Lösung
Der Trend zu einer möglichst geringen Fertigungstiefe gilt in der Autobranche zurzeit als der Schlüssel zur Lösung fast aller Probleme. Doch so einfach ist die Welt nicht. Porsche ist mit seiner geringen Fertigungstiefe von weniger als 20 Prozent überaus erfolgreich. Aber Toyota, der japanische Vorzeigekonzern, ist es nicht minder -- obwohl die Japaner viele Teile selbst produzieren und nicht einkaufen. So fertigt Toyota 70 Prozent des Hybrid-Autos Prius im eigenen Haus. Damit schützt das Unternehmen nicht nur eine Schlüsseltechnologie vor dem Zugriff der Konkurrenz. Es sichert so auch eine konstant hohe Qualität.
Outsourcing allein ist also keine Lösung. Was für einen Nischenhersteller wie Porsche richtig ist, muss für einen Massenhersteller wie VW noch lange nicht gelten.
Vergleichsweise einfache Dinge wie Abgasanlagen, Gussteile und Achsen, oder aber Teile mit hohem Investitionsaufwand wie Bremssysteme und Motorsteuerungen nicht selbst zu produzieren, sollte für einen gut geführten Autokonzern selbstverständlich sein. Aber was ist zum Beispiel mit Sitzen? Kein Teil des Autos ist dem Kunden näher. Ein guter Sitz kann ein entscheidender Kaufgrund sein. Am Ende der Outsourcing-Welle, wenn alle Autos mit den gleichen Sitzen, Lenkungen und Getrieben herumfahren, könnte die Austauschbarkeit des gesamten Autos stehen. Ford und GM haben in den USA gezeigt, dass dieser Weg zu charakterlosen Einheitsprodukten führt.
Es ist VW zu wünschen, dass die Konzernführung den Mittelweg zwischen "selber machen" und "kaufen" findet. Am Kernproblem von VW -- den unterbeschäftigten Werken und überbezahlten Werkern -- ändert der Fabrikverkauf ohnehin wenig. Sollte Wolfsburg dieses Thema nicht zügig in Angriff nehmen, dürften die Sitze in der Vorstandsetage bald sehr unbequem werden.