München. Bob Eaton, 1998 Chrysler-Chef, wird wahrscheinlich als der gerissenste Gebrauchtwagenhändler aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Er hat seiner deutschen Kundschaft, Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp nebst Gefolge, zum Höchstpreis von rund 40 Milliarden Dollar eine Kiste angedreht, die sich wenig später als totaler Sanierungsfall entpuppte und die auch nach aufwendigster Reparatur nur zwei Jahre rund lief, um dann erneut zur Großbaustelle zu werden. Nun wird die „Okkasion“ von Cerberus vom Hof geschleppt. Man kann den neuen Eigentümern, auch wenn sie nichts für ihre Neuerwerbung bezahlt haben, nur viel Glück wünschen.
Es soll hier gar nicht die Frage aufgeworfen werden, wie es zu diesem Desaster kommen konnte. Denn die Kernfrage lautet doch: Ist Chrysler langfristig überhaupt zu retten? Kann Cerberus schaffen, woran Dieter Zetsche und sein Team gescheitert sind? Daran sind tatsächlich Zweifel angebracht.
Allein das Versprechen einer kostenlosen Krankenversorgung, das Chrysler seinen Mitarbeitern, Pensionären und deren Angehörigen gegeben hat, repräsentiert Verbindlichkeiten in Höhe von 17,5 Milliarden Dollar. Während die Pensionen, die sich auf 29 Milliarden Dollar summieren, aus einem Fonds gezahlt werden, der wegen der hohen Börsenkurse derzeit diese Summe noch abdeckt, muss Chrysler die Krankenversorgung aus dem Cashflow leisten. 600 Dollar sind das pro Auto.