München. Der Freihandel ist, wie die Freiheit überhaupt, ein Wert an sich. Schon David Ricardo (1772-1823) konnte beweisen, dass alle Beteiligten davon profitieren, weil er Volkswirtschaften und Unternehmen die Möglichkeit gibt, sich auf bestimmte Produkte zu konzentrieren. Im Automobilbau hat sich die internationale Arbeitsteilung bewährt. Vor diesem Hintergrund haben BMW, Mercedes, Porsche und VW von einem Höchstmaß an Freihandel immer profitiert. Und deshalb hat Deutschland auch stets den Importeuren das Tor weit aufgehalten. Die Abwrackprämie ist dafür ein leuchtendes Beispiel. Nicht von ungefähr hat Toyota-Präsident Katsuaki Watanabe die deutsche Abwrackprämie über alle Maßen gelobt. Toyota verkauft in Deutschland wegen der Prämie ja auch deutlich mehr Autos und wird seinen Marktanteil sicher auf über fünf Prozent steigern.
Kritiker warnen nun, wir übertrieben es etwas mit dem Freihandel, wenn die Bundesregierung ein fünf Milliarden teures Konjunkturpaket für die Automobilindustrie schnürt, von dem zu über 50 Prozent Importmarken profitieren. Denn darauf deuten die jüngsten Zulassungszahlen hin. Demnach verkaufen VW, Opel und Ford zwar kräftig durch die Prämie. BMW, Mercedes, Audi und Porsche gehen jedoch fast leer aus. Hyundai, Kia, Fiat, Suzuki und Daewoo/Chevrolet hingegen legen kräftig zu. Die Abwrackprämie "Made in Germany“ ist sicher ein Musterbeispiel für Freihandel. So unterstützt Italien mit einer ähnlichen Prämie vor allem Kleinwagen. Eine Lex Fiat, um die heimische Industrie zu stützen.
Es wird Zeit, dass die Bundesregierung solche einseitigen Maßnahmen kritisiert. Überfällig ist diese Kritik gegenüber Japan und Südkorea. Während deren Herstellern Hunderte Millionen Euro aus dem Fördertopf des Konjunkturpakets zufließen, haben deutsche Marken in Japan und Südkorea noch immer mit kaum verdeckten Handelsschranken zu kämpfen. Der Konzernchef eines deutschen Autobauers schilderte mir unlängst, wie sein Unternehmen mit dem Projekt scheiterte, in Tokio eine Niederlassung zu eröffnen. Es gab schlicht keine Baugenehmigung. Und der VDA feiert es schon als Erfolg, dass die deutschen Autobauer in Südkorea drei Prozent Marktanteil erobert haben. Denn im dortigen Automarkt sind ohnehin nur sechs Prozent der Autos Importfahrzeuge. Diese Missstände müssen beim Namen genannt werden. Denn Freihandel darf keine Einbahnstraße sein.