München. Für Opelaner mag es zynisch klingen. Aber man kann nur froh sein, dass ausgerechnet die Rüsselsheimer Traditionsmarke in der Krise steckt und nun um Staatsbürgschaften nachfragt. Man stelle sich vor, VW, BMW oder Daimler hätten im Kanzleramt angeklopft und nicht Opel. Grüne, selbst ernannte Umweltschützer, große Teile der SPD und nicht wenige Kommentatoren in den Medien hätten mit Schaum vor dem Mund getobt, die Autobosse seien doch selbst schuld an der Krise ihrer Unternehmen. Hätten sie doch auf „spritfressende Klimakiller“ gesetzt, statt sparsame, umweltschonende, erschwingliche Autos zu bauen, die dann auch nachgefragt würden. Treffen diese Vorurteile schon auf die vorgenannten Firmen kaum zu, die eben beides im Programm haben – Luxus- und Öko-Autos –, so kann man diesen Vorwurf Opel am allerwenigsten machen.
Wenn sich ein Autohersteller in Deutschland auf sparsame, bezahlbare und kleine Autos konzentriert hat, dann Opel. Siehe Agila, Corsa und Meriva. Luxus-SUVs und Oberklasse-Autos sucht man hier vergebens. Der Korea-Import Opel Antara verkauft sich berechtigterweise so schlecht, dass sich jedes Wort erübrigt. Und der neue Insignia hat zwar Premium-Qualitäten, ist dabei aber erschwinglich und ökologisch korrekt. Dass Opel von der Absatzkrise härter getroffen wird als zum Beispiel VW oder Ford, liegt an anderen Lücken im Modellprogramm: So fehlt ein Kompakt- oder Mini- SUV. Schwerer wiegt aber nach wie vor das lädierte Image. Wofür steht Opel eigentlich im General Motors-Konzern, der sich mit seinen zehn Marken heillos verzettelt hat? Opel droht zwischen der Billigmarke Chevrolet und nutzlosen Luxusträumereien ŕ la Saab und Cadillac zerrieben zu werden.
Dass ausgerechnet Opel von der US-Mutter GM mit in den Abgrund gerissen werden könnte, hat das Land wachgerüttelt: Endlich wird die Autoindustrie nicht mehr als eine Art kriminelle Vereinigung gesehen, die Zeitarbeiter ausbeutet, Kindern das Essen wegnimmt, um daraus Biosprit zu machen, die Pole schmelzen lässt und unsere Luft vergiftet. Denn genau dieses Bild wird in vielen Medien gezeichnet. Stattdessen setzt sich plötzlich die Erkenntnis durch, dass dieses Land einen großen Teil seines Wohlstands, 20 Prozent aller Exporte und 15 Prozent der Arbeitsplätze, dem Automobil verdankt. Auch für Opel kann diese Krise eine Chance sein: auf eine Zukunft ohne den bis ins Mark maroden GM-Konzern.